Egerland

Land, Leute und Kultur


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Der Ackermann aus Böhmen (Johannes von Tepl)

Johannes von Tepl wurde zwischen 1342 und 1350 geboren, vermutlich in Tepl oder auch in Schüttwa (Sitbor), woher auf jeden Fall sein Vater stammte. Ob er in Tepl die Schule besucht hat oder dort arbeitete ist offenbar nicht geklärt.  Er studierte in Prag und anderen Universitäten. Er schrieb in Deutsch, Latein und Tschechisch. 1383 wurde er Notar, ab 1386 Leiter der Lateinschule in Saaz. Ab 1411 lebt er als Stadtschreiber in Prag, wo er 1415 starb.
Seine Frau Margareta war am 1. August 1400 im Kindbett verstorben.
Danach, vermutlich 1401 verfasste Johannes von Tepl sein bedeutendes Werk: Der Ackermann aus Böhmen (Ploughman of Bohemia).
Dies ist eines der ersten Werke, die überhaupt in deutscher Sprache gedruckt wurden (ca. 1460) und es gilt als eines der bedeutendsten Werke der böhmischen Frührenaissance und der spätmittelalterlichen deutschen Literatur, andere sahen es als frühen Vorläufer des Humanismus.

Der Ackermann aus Böhmen (Ploughman of Bohemia) besteht aus 34 kurzen Kapiteln. Es ist ein Streitgespräch zwischen dem Ackermann und dem Tod. Dabei ist der Ackermann kein gewöhnlicher Bauer, er schreibt von sich selbst (3. Kapitel): „Ich bins genant ein ackerman, von vogelwat ist mein pflug, vnd wone in Behemer lande“ – sein Werkzeug ist also die Vogelfeder, ergo die Feder mit der damals geschrieben wurde.
In den ungeraden Kapiteln beklagt sich der Ackermann beim Tod, dass er ihm seine junge, geliebte Frau geraubt habe. In den geraden Kapiteln antwortet der Tod mit Logik und Zynismus auf die Emotionen des Ackermanns. Der Tod ist von der Sinnhaftigkeit seines Tuns überzeugt, welches ihm von Gott aufgetragen wurde. Dem Zorn des Ackermanns begegnet er mit Arroganz, mit Überlegenheit und mit Zynismus. Die Argumentation des Todes zielt nicht auf einen moralischen oder theologischen Hintergrund wie Buße oder Sünde ab, sondern wirkt quasi neuzeitlich logisch.
Am Ende, im 33. Kapitel, spricht Gott das Urteil, indem er den Menschen an seine Sterblichkeit erinnert und den Tod daran, dass der seine Macht wiederum nur von Gott empfangen hat. Im letzten Kapitel endet das Werk mit einem umfangreichen Fürbittgebet.

Internet:
http://gutenberg.spiegel.de/buch/4255/1
http://www.hs-augsburg.de/~harsch/germanica/Chronologie/15Jh/Tepl/tep_tod.html
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/cpg76
http://www.brg9.at/A-Klasse/5%20A%20Klasse/Literatur/Der%20Ackermann.pdf
http://radiergummi.wordpress.com/2010/07/27/johannes-von-tepl-ackermann/
http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Ackermann_aus_B%C3%B6hmen
Zum Zuhören: http://vortraege.beitinger.de/mp3/ackermann-mp3.php
Johannes von Tepl: http://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_von_Tepl


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Der Egerlandbrunnen in Marktredwitz – oder: Hochzeit im Egerland

Vor dem Egerland-Museum in Marktredwitz ( https://egerland.wordpress.com/2013/06/07/das-egerland-museum-in-marktredwitz/ ) steht seit 2005 ein ganz besonderes Kunstwerk: der Egerlandbrunnen.

Auf mehreren Ebenen werden hier typische Besonderheiten einer Bauernhochzeit im Egerland dargestellt.

Musikanten mit Dudelsack, Geige und Klarinette führen den Hochzeitszug an. Danach folgt der Hochzeitslader, der die Aufgabe übernommen hat, die Hochzeit zu organisieren. Die nachfolgenden zwei Schützen sind Freunde des Bräutigams, der eine hat seinen Hund mitgebracht. Den beiden folgen die Blumenkinder. Dann kommen die beiden Hauptpersonen: das Brautpaar, gefolgt von den Brautvätern und -müttern. Hinter ihnen kommt der von Ochsen gezogene Kammerwagen in dem das Hochzeitsgut der Braut zum Hof des Bräutigams gefahren wird. Ziegenpeter, Gänseliesel und Hans im Glück stehen dafür, dass auch Tiere zur Mitgift der Braut gehörten. Vogelbeerbaum und Marterl spielten eine besondere Rolle im Egerland. Und natürlich ist auch der Pfarrer beim Hochzeitszug dabei.

In der zweiten Ebene sind 6 Tanzpaare zu sehen mit typisch egerländischen Tanzfiguren: Drahrer, Galopp, Verdrahter und Verdrahte, Heber, Patscher und Polka.

In der dritten Ebene spielen die Musikanten: Geiger, Klarinette, Dudelsack, Harfe und Kontrabass – die typische Kapelle des Egerlandes!

In der vierten Ebene tanzen die Kinder mit einer Blumengirlande um den Sockel des Taubenhauses.

Über allem thront das Taubenhaus. Dieses durfte auf keinem Bauernhof im Egerland fehlen. Es stand in der Mitte des typischen Egerländer Vierseithofes, es versinnbildlichte den Stolz des Bauern und war auch ein Symbol für die Freiheit.

Internet:
Egerlandbrunnen in Marktredwitz: http://www.egerlandbrunnen.de/
Foto: http://www.panoramio.com/photo/83252865


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Das Egerland-Museum in Marktredwitz

Das Egerland-Museum im oberfränkischen Marktredwitz liegt quasi direkt vor den Toren des Egerlands.
Auf einer Fahrt in das Egerland ist hier ein sehr lohnenswerter Halt.
Das Museum bietet einen schönen Querschnitt durch die verschiedenen Aspekte egerländischer Kultur. Am Anfang der Ausstellung läuft ein Videofilm, der einen guten Einstieg in die Geschichte des Landes zeigt. Dann folgen eine große Menge verschiedener Ausstellungsstücke: Alltags- und Gebrauchsgegenstände, Möbelstücke z.T. mit schönen Intarsien, eine rekonstruierte Bauernstube. Beispiele für die im Egerland vorherrschende Porzellan-, Glas- und Textilindustrie werden gezeigt, sowie Schmuck und Zinngießerei. Die verschiedenen Trachten des Egerlandes können bewundert werden, und es gibt mehrere Beispiele eines Wahrzeichens des Egerlandes – des „Huasnoantoutara“ als fester Bestandteil der Männertracht und auch in kleinerer Form am Halstuch bei Frauen. Der Bädertourismus in den berühmten Badeorten des Egerlandes  Karlsbad, Franzensbad und Marienbad spielt eine große Rolle, es werden schöne Exponate gezeigt, wie z.B.  die typischen Trinkgefäße oder die Karlsbader Sprudelsteine. Typische Musikinstrumente sind zu sehen (wie z.B. der Egerländer Bock) und Klangbeispiele können gehört werden. Auch die Waffelherstellung der berühmten Karlsbader bzw. Marienbader Waffeln ist vertreten.  Natürlich spielen auch Flucht und Vertreibung eine Rolle.

Daneben gibt es noch eine Dauerausstellung mit Gemälden von Künstlern aus dem Egerland. Hier sind verschiedene Stilrichtungen mit wirklich schönen Bildern vertreten.

Zu weiteren Themen gibt es wechselnde Sonderausstellungen, das derzeitige Thema ist der „Egerländer Geigenbau“.

Im Kassenbereich gibt es auch einen kleinen „Museumsladen“ – hier können u.a. Huasnoantoutara als Brosche, Ohrhänger usw. gekauft werden.

Ein Besuch in diesem Museum lohnt unbedingt und sollte vor einer Reise in das Egerland eingeplant werden!

Internet:
Egerland-Museum: http://www.egerlandmuseum.de

Aktuelles Thema der Sonderausstellungen (und eine Liste der bisherigen Themen): http://www.egerlandmuseum.de/seiten/sonder_archiv/sonderarchiv.htm


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Das Egerland

Das Egerland ist eine alte Kulturlandschaft im Nord-Westen Böhmens.
Der Name des Flusses Eger geht auf seinen ursprünglich keltischen Namen Agara zurück.
Die Stadt Eger wurde erstmals 1061 als „Egire“ urkundlich erwähnt.
Die erste urkundliche Erwähnung des Egerlands als „Regio Egire“ stammt aus dem Jahr 1135. Durch Erbschaft kam das Egerland 1167 an Kaiser Friedrich Barbarossa aus dem Geschlecht der Staufer, die Burg von Eger wurde zur Kaiserpfalz ausgebaut, Eger wurde freie Reichsstadt.
Von einem späteren Besitzer, Kaiser Ludwig dem Bayer, wurde das Egerland 1322 an den König von Böhmen verpfändet, „bei Garantie der völligen Unabhängigkeit vom Königreich Böhmen“.
Die Menschen im Egerland lebten und entwickelten über viele Jahrhunderte eine eigene Kultur.
Nach dem 2. Weltkrieg wurde fast die komplette Bevölkerung aus dem Egerland vertrieben.
Viele Menschen haben Vorfahren aus dem Egerland – oft sind sie sich dessen nicht bewusst.

Das Egerland und seine Kultur sind Thema dieses Blogs.