Egerland

Land, Leute und Kultur

Maria Loreto bei Altkinsberg (Stary Hroznatov)

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Jesuiten aus Eger hatten 1658 das Gut Kinsberg erworben; die vorher hier 1557 errichtete Heilig-Geist-Kirche war zerstört.
Am 19. Oktober 1664 legte der Tepler Abt Raimund I. Wilfert den Grundstein für die neue Wallfahrtsanlage. 1665 traf eine Kopie der Schwarzen Muttergottes aus Loreto (Italien) ein. 1668 waren die meisten Gebäude bereits vollendet. Die Wallfahrtskirche ist von den für böhmische Sakralbauten typischen gedeckten Ambiten umgeben, die das Gotteshaus umsäumen. In der Umgebung von Altkinsberg wurden 29 Pilgerstationen errichtet mit 23 Baulichkeiten. 127 Holzplastiken in den Kapellen stellten die biblische Geschichte anschaulich dar, Steinstatuen versinnbildlichten den Osterzyklus.
Die Pilger kamen in Prozessionen aus dem gesamten Egerland und aus angrenzenden Gebieten, wie der Oberpfalz,  mit bis zu 12000 Teilnehmern. In über 2 Stunden liefen sie singend und betend die Stationen des Kreuzwegs ab. Manche zogen später noch weiter nach Maria Kulm. Die meisten Pilger kamen am Bittsonntag (Rogate = 5. Sonntag nach Ostern,  „Großer Umgang“), an Christi Himmelfahrt („Kleiner Umgang“), in der Fastenzeit und am Gründonnerstag (Ölberg-Kapelle), an Sonntagen und an Fronleichnam. Um 1900 fanden jährlich ca. 25 Prozessionen statt.
An Ständen wurden kleine Andachtsbildchen der Lauretanischen Muttergottes und sonstige Andachtsgegenstände verkauft. Spezielle Mitbringsel, besonders für Kinder, waren sog. „Toler“, ein Gebäck aus Zuckerwasser und Mehl.
Die Pilger hatten nicht nur geistliche Bedürfnisse, wie der folgende, in Egerländer Mundart überlieferte Spruch zeigt:
„Heit gemma af Loretta,
in Palitz khaiama a(n),
dou essma a Wurscht u an Weckn,
u a Zepfl kroignma dra(n)“

Auch Johann Wolfgang von Goethe war in Maria Loreto zu Besuch, was er in seinen Tagebüchern festgehalten hat.

Nach der Vertreibung der Egerländer ab 1945 verfiel die gesamte Anlage, bzw. wurde mutwillig zerstört.
1992 wurde in Waldsassen der „Verein zur Erhaltung und Förderung der Wallfahrtskirche Maria Loreto in Altkinsberg, Egerland e.V.“ unter Leitung von Ing. Anton Hart gegründet. Der Initiative dieses Fördervereins ist es zu verdanken, dass die Ruinen von Maria Loreto heute wieder zu neuen Leben erweckt wurden. Die „Vorher-Nachher“-Bilder auf der Internetseite dieses Vereins (s.u.) lassen erkennen, welch große Aufgabe das war! Nur noch wenige Stationen des ehemaligen Pilgerweges sind erhalten, von den oben erwähnten Holzplastiken existieren nur noch einzelne, die Steinstatuen wurden im Bereich des alten (zerstörten) Friedhofs neu aufgestellt. 3 Glocken wurden neu angeschafft: Ave – Sanctus – Gloria.

Maria Loreto bei  Altkinsberg in der Nähe von Eger hat heute wieder eine wunderschöne und ergreifende Ausstrahlung!

Internet: 
http://www.maria-loreto.de/
http://www.sudeten-bayreuth.de/loreto_im_egerland.htm
http://home.arcor.de/oberpfalz-nord/marialoreto.htm
http://www.sabines-kaleidoskop.de/MariaLoreto.htm
Das Glockenläuten:  
http://www.youtube.com/watch?v=uapQjerLtRE (gibt es beim Förderverein auch auf CD)

Buch:
Eger und das Egerland – Volkskunst und Brauchtum, Hrsg. L. Schreiner, Verlag Langen Müller, ISBN: 3-7844-2178-4

4 Kommentare zu “Maria Loreto bei Altkinsberg (Stary Hroznatov)

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  3. Pingback: Egerland-Ausstellung in Waldsassen im Stiftlandmuseum (bis 06.01.2014) | Egerland

  4. „Werde jeder beßre Sinn
    Dir zum Dienst erbötig;
    Jungfrau, Mutter, Königin,
    Göttin, bleibe gnädig!“

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