Egerland

Land, Leute und Kultur

https://egerland.wordpress.com/2013/12/05/brauche-im-egerland-vorweihnachtszeit/

Bräuche im Egerland: Silvester und Neujahr – „Ich wünsch Enk a glücksöllich’s nei’s Gåu(h)a!“

Ein Kommentar

Am 31. Dezember, an Silvester gab es auch im Egerland diverse Bräuche, die als Orakel helfen sollten, in die Zukunft zu sehen. Nach dem Abendessen wurde z.B. das heute noch weit verbreitete Bleigießen durchgeführt. Beim „Knödelkochen“ wurden in die rohen Knödel Zettel mit Sprüchen, Wünschen oder Namen hineingetan, und beim Kochen kam es dann darauf an, welcher dieser Knödel zuerst an die Oberfläche kam. Beim Pantoffel- oder Schuhwerfen wurde ein Schuh über die Schulter nach hinten geworfen, zeigte die Spitze Richtung Tür, so wurde dies als gutes Zeichen gewertet.
Männer verbrachten die letzten Stunden des Jahres gerne in einer Gastwirtschaft in Gesellschaft. Um Mitternacht gab es vom Wirt ein Glas Grog oder Punsch auf Kosten des Hauses.

Der 1. Januar, der Neujahrstag wurde als Vorausschau auf das kommende Jahr gewertet.
Im Egerland hieß es:
“Wöi’s nei Gåu(h)a – sua-r-as gånz Gåu(h)a!”
[Wie das neue Jahr, so das ganze Jahr]
Was man an diesem Tag tat, das würde man auch das ganze weitere Jahr hindurch tun. Insofern war es besser, z.B. am Neujahrstag früh aufzustehen, sich korrekt zu kleiden, nichts zu kaufen oder zu verkaufen, nicht zu faulenzen oder zu stürzen und sich zu verletzen.

Früh am Morgen des 1. Januar gab es auch wieder das „Peitschen“, nur diesmal umgekehrt, wie am 1. Weihnachtsfeiertag: an Neujahr waren es die Mädchen, die nun die Burschen peitschten mit den ergrünten Barbarazweigen. Und es waren die gleichen Sprüche, die sie dazu aufsagten.

Im Laufe des Vormittags wünschten sich die Nachbarn, Verwandten und Bekannten „a glücksöllich’s neu’s Gåu(h)a“, oft mit dem Zusatz „uu a lång’s Lee(b’m danee(b’m“.
Bei Frauen gab es den Zusatz „uu an gout’n Moa(n‘ danee(b’m“.
Der Ehemann wünschte seiner Ehefrau „saa(n‘ gånza Löi(b danee(b’m“.

Es gab auch längere Neujahrssprüche:
„Wünsch a glücksöllich’s neu’s Gåu(h)a,
a-n-ålt’s Tüa(r’l uu a neu’s Tåua,
an Stool vulla Hörna,
an Buad’n vulla Körna,
an Beit’l vulla Göld,
dass-n ua(b’m wieada assaföölt!”
[Tåua = Tor, Stool = Stall, Buad’n = Getreideboden, ua(b’m = oben]

Ein allgemein üblicher Wunsch zum Neuen Jahr war:
„Ich wünsch a glücksöllich’s nei’s Gåu(h)a, wot’s enk wünscht’s wird wåu(h)a!“
[Ich wünsche ein glückseliges neues Jahr, was ihr euch wünscht, möge wahr werden!]

Waren die Neujahrsglückwünsche überall vorgebracht, insbesondere auch bei seinem Paten, wofür man oft ein Geldgeschenk erhielt, hatte man „s nei Gåu(h)a oogwunna“ [gewonnen]. Dann gings ins Wirthaus, „af’s nei Blout gäih(n“, also sich dort mit Wein oder Bier „frisches Blut“ anzutrinken.

Gegen Geldmangel im neuen Jahr sollte es helfen, etwas Hirsebrei zu essen, oder ein paar Löffel einer anderen Quellfrucht, wie z.B. Erbsen oder Bohnen.

Am Abend trank man dann wieder im Wirtshaus „die Schäi(hn“, also auf die (eigene) Schönheit.

In den Abendstunden zogen im Egerland ältere Frauen meist paarweise von Haus zu Haus, um mit dem Singen besonderer Neujahrslieder den Bewohnern Gutes zu tun und zu wünschen. Dafür bekamen die Sängerinnen Semmel und Brot, aber auch andere Gaben und Geldgeschenke, wofür sie sich üblicherweise mit einem doppelten „Vergelt’s Gott“ bedankten.

In der Gegend um Falkenau zogen noch bis zur Vertreibung der Egerländer jeweils am Neujahrstag die „Göllerlsinger“, oder auch „Gellerer“ oder „Gellerersänger“ von Haus zu Haus. Das Wort „gellen“ bedeutet „hell und durchdringend schallen“ und stammte vom mittelhochdeutschen „gellen“ bzw. althochdeutschen „gellan“ ab, was „laut rufen oder schreien“ bedeutete. Die Göllerlsinger machten mit großen Kuhglocken, Blechtöpfen und schweren Eisenketten großen Lärm.
Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts war auch im Stadtkreis Eger das „Gollengehen“ üblich gewesen, wobei die Stadtjugend ordentlich Lärm schlug. Gegen dessen Auswüchse wurden wiederholt Verbote vom Rat der Stadt ausgesprochen. Dieser ließ als Alternative zwei Stadttrompeter von Haus zu Haus gehen, damit diese dort das neue Jahr „anblasen“. Dies taten sie auch vom Schwarzen Turm der Kaiserpfalz. Zusätzlich waren Stadtpfeifer in Uniform unterwegs, die vor den Hauseingängen ihre schwarzen Hüte schwangen mit der Frage „dürfen wir unsere Schuldigkeit tun?“ Wenn sie eingelassen wurden, spielten sie in der Wohnstube, oft nach einem sehr lauten Trommelwirbel, ihre Neujahrsmelodien.

In den Rockenstuben, in denen in früheren Zeiten das Garn gesponnen wurde, feierte man den Neujahrstag besonders, mit „Rockaböia“ [Böia = Bier], mit Musik und Tanz.

Der Neujahrstag galt im Egerland für das Wetter des kommenden Jahres als richtungsweisend:
„Neujahr hell und klar – bringt gutes Jahr!“

Literatur
Buch:
Eger und das Egerland – Volkskunst und Brauchtum, Hrsg. L. Schreiner, Verlag Langen Müller, ISBN: 3-7844-2178-4

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