Egerland

Land, Leute und Kultur

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Bräuche im Egerland: Heiliger Abend und Weihnachten

Mit dem Heiligen Abend war auch im Egerland die Vorweihnachtszeit vorbei, endlich war Weihnachten!

In der bäuerlichen Kultur des Egerlandes gab es eine Reihe von Bräuchen, die eng mit der Landwirtschaft verbunden waren. Dabei gab es nicht nur die großen Bauernhöfe.
Der Großteil der Bevölkerung des Egerlandes lebte in Dörfern über das Land verteilt, das die Egerländer dereinst gerodet und urbar gemacht hatten, wo sie ihre Häuser und Höfe erbaut hatten.
Insofern hielt dort fast jeder als zusätzliche Nahrungs- und Einkommensquelle ein paar Tiere, und waren es nur ein paar Stallhasen, Hühner, Gänse, Ziegen oder auch ein, zwei Kühe oder Schweine. Solch ein Schwein wurde dann z.B. nach dem Mästen verkauft, um Geld für weitere Anschaffungen zu haben, auch wenn sich die Familie selbst öfter einmal einen guten Braten gewünscht hätte!
Außerdem bewirtschafteten viele, auch „nebenher“, ein mehr oder weniger großes Stück Land, das konnten der Hausgarten, oder auch ein oder mehrere Felder sein.

Am Heiligen Abend (24. Dezember) galt die Aufmerksamkeit daher zunächst den Tieren. Vor dem gemeinsamen Mahl der Familie bekamen die Tiere das sog. „G’leck“, eine Mischung aus Hafer, Kleie und Salz, und häufig auch Äpfeln und Nüssen. Wurde dies vom Großknecht oder der Großmagd verfüttert, so geschah dies mit den Worten: „Dåu schickt enk da Baua aa woos von Halinga Åum(b)d!

Die Hausherrin kümmerte sich in der Regel um die Vorbereitung des Festmahles. Außerdem hatte sie noch darauf zu achten, dass keine nasse Wäsche mehr auf der Leine hinge, denn das brächte Unglück.
Die Anzahl der Gäste sollte eine gerade Zahl sein, um Unglück zu vermeiden. Die Hausfrau sollte auch vom Tisch möglichst nicht aufstehen oder unnötig umhergehen, da sonst die Hennen nur wenige Eier legen und auch schlecht brüten würden.

Das Festmahl am Heiligen Abend bestand im südlichen Egerland oft aus einem Weihnachtskarpfen, der aus Teichen der Region stammte, die u.a. der Fischzucht dienten und im Winter abgelassen wurden.
Im Norden des Egerlandes gab es, wie z.B. auch im benachbarten Erzgebirge und Vogtland, den Brauch des „Neunerlei“, d.h. neun verschiedenen Speisen, von denen jede eine bestimmte Bedeutung hatte. Im Egerland bestand dies aus mindestens Fisch, Geselchtem (Rauchfleisch), Knödel, Weihnachtssemmel, Äpfel, Nüssen, Zwetschgen, Kaffee, Hutzel und Spalken(gedörrte Birnen), deren Kerne aufbewahrt wurden, um später als Heilmittel gegen verschiedene Krankheiten zu dienen.
Als Abschluss des Mahles am Heiligen Abend wurde  im Egerland vom Hausherrn ein Apfel geteilt, wobei die Anzahl der Stücke, der Zahl der anwesenden Gäste entsprach. Wurde dabei ein Kern durchgeschnitten, bedeutete dies, dass es einen Todesfall geben würde. Es gab im Egerland auch den Brauch, beim Verteilen der Stückchen sinngemäß zu sagen, falls man sich einmal verirren sollte, dann brauche man sich nur an dieses Stück gegessenen Heiligabendapfel erinnern, um wieder den richtigen Weg zu finden.

Nach dem Mahl wurden Speisereste in den Garten gebracht und damit die Bäume „gefüttert“, damit auch diese wussten, dass Heiliger Abend ist und im nächsten Jahr reichlich trugen. Die Bauern machten das Gleiche dereinst auf den Feldern.

Im Kaiserwald, bei Karlsbad und im Erzgebirge schüttete man Essensreste in die Stauden, damit der „Zempa“ oder „Zempara“ etwas zu essen habe. Der „Zempa(ra)“ war ein besonderer Geist des Egerlandes. Er wird allerdings unterschiedlich beschrieben. Einerseits, wie in einem vorigen Beitrag, als Begleiter des Heiligen Nikolaus, mit Hörnern und einer langen Zunge. An anderer Stelle beschreibt man ihn als männliche Gestalt in weißem Gewand mit langem Spechtschnabel vor der Nase, Sichel und Messer wetzend. Manche mussten sich beim „Füttern“ der Bäume sehr fürchten, hieß es doch, dass ihnen dabei der „Zempa“ oder auch die „Sperte“, besonders wenn sie das Jahr über recht unfolgsam gewesen waren, den Bauch aufschlitzen und die Gedärme an den Zaun hängen würden. Andererseits durften die Egerländer, wenn sie am Heiligabend mit den Essensresten „den Zempara föitern“, im Folgejahr auf reiche Ernte hoffen.
Wenn ein Mädchen den Bäumen das Speiseopfer brachte, niederkniete und betete, und dann horchte, aus welcher Richtung Hundegebell kam, sollte sie auch wissen, wer ihr Künftiger sei, bzw. woher er komme.
Eine bekannte Bauernregel half den Ernteertrag des kommenden Jahres einzuschätzen:
„Christnacht viel Stern – viel Erdäpfel!“

1. Weihnachtsfeiertag (25. Dezember)
Der 1. Weihnachtsfeiertag war der höchste und größte Feiertag der ganzen Weihnachtsfeiertage.
Sehr früh, möglichst noch, bevor die anderen aufgestanden waren, machten sich die Burschen auf den Weg zu Mädchen aus ihrem Bekanntenkreis. Dabei hatten sie Barbarazweige, also Zweige z.B. von Birken- oder Kirschenbäumen, geschnitten am Barbaratag (4. Dezember), die nun ergrünt waren, manchmal zusätzlich verziert mit roten Bändern oder grünen Seidenschleifen. Dies hatten sie dabei, um das auserkorene Mädchen damit auf Schultern, Rücken, und auch die entblößten Beine und Schenkel zu „peitschen“ während sie dabei einen der folgenden Sprüche aufsagten.
„Gråun, gråun,
üm-r-a gouts Peitschalåuhn“

„Frische, frische Krone,
ich peitsche nicht um Lohne;

ich peitsche nur aus Höflichkeit,
dir und mir zur Gesundheit!“ 

„Hupf wöi a Haas’l,
gråun wöi a Graas’l,
schloa-r-aas wöi a Felwastuak,
röich wöi a ålta Zieg’nbuak!“ 

“Schmeckt da Pfeffa gout,
wüllst di(ch läis’n?” 

Das „Läis’n“, also das „Lösen“, konnte dann erfolgen, indem das Mädchen dem auspeitschenden Burschen ein Stück Kuchen, eine Weihnachtssemmel, Eier, Schnaps oder auch manchmal Geld geben mussten.
Von den derart erkorenen Mädchen, Hausfrauen, oder auch dem weiblichen Gesinde, wurde diese Art der Behandlung als Ehre verstanden, zudem versprach dies auch Gesundheit, Glück und Segen. Dahinter stand die Vorstellung, dass sich die besonderen Kräfte der Rute, wie sie sich auch durch das Wort „gråuna“ ausdrücken, was „aufleben“ und „gedeihen“ bedeutet, dabei auf die Geschlagene übertragen.
Am 25. Dezember besuchten sich im Egerland üblicherweise Verwandte und Nachbarn und wünschten sich „glückselige Feiertage“. Nachmittags besuchten die Taufpaten, die „Tua(d)n“ ihre Patenkinder und brachten ihnen kleinere Geschenke.

2. Weihnachtsfeiertag (26. Dezember)
Am Tag des Heiligen Stefan erfolgten im Egerland wie bereits am Vortag Verwandtenbesuche, und Paten besuchten ihre Patenkinder mit Geschenken. Da der Heilige Stefan auch Patron der Pferde war, wurden an diesem Tag im Egerland die Pferde mit Bändern und anderem Schmuck ganz besonders herausgeputzt, dann mit ihnen der Stefansritt vollzogen, d.h. eine Kirche oder Kapelle umritten, und anschließend wurden sie kirchlich geweiht.

28. Dezember – Tag der unschuldigen Kinder
Der „Unschuldi Kinn’ltooch“ bildete im Egerland den Abschluss der Weihnachtsfeiertage.
Auch an diesem Tag fand das oben beschrieben „Auspeitschen“ statt.
Um Unglück zu vermeiden, wurde auch an diesem Tag nicht oder möglichst wenig gearbeitet.

Literatur / Quellen:
Buch:
Eger und das Egerland – Volkskunst und Brauchtum, Hrsg. L. Schreiner, Verlag Langen Müller, ISBN: 3-7844-2178-4

Zeitschrift / Periodicum (4 pro Jahr):
„Stimmen von Sandau“: „Der Heiligabendapfel“ (4/2013, 64. Jahrgang, S. 20f., Hrsg. und Abonnement Josef Plahl, Weilburg) 

Internet:
Neunerlei (Wikipedia)

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Bräuche im Egerland: Vorweihnachtszeit

Im Egerland gab es eine Reihe von Bräuchen, die in der Bevölkerung verbreitet waren.
Folgende Feiertage spielten in der Vorweihnachtszeit im Egerland eine besondere Rolle:

Barbara (4. Dezember)
Am Barbaratag schnitten Burschen und Mädchen Kirsch- oder Weichsel- (=Sauerkirsch-) Zweige und stellten sie zu Hause in der Nähe des Küchenofens in ein mit Wasser gefülltes Gefäß. So sollten sie bald grünen, bzw. in der Zeit bis Weihnachten ihre Blüten austreiben.
Diese Zweige waren dann ein schöner Schmuck.
Eine Verwendung war es, sie am Stefanstag (26. Dezember) und Neujahrstag zum „Peitschen“ zu benutzen (zu diesem Brauch mehr in einem späteren Beitrag).
Die Barbarazweige konnten auch helfen, in die Zukunft zu sehen: hatte ein heiratslustiges Mädchen sie in der Nacht und ohne eine ein Wort zu sprechen, heimgeholt und war dabei von niemandem angesprochen worden, so konnte sie die Zweige mit Namensschildern ihrer Verehrer versehen und darauf warten, welcher Zweig als erster grünt. Dieses Orakel sollte ihr somit verraten, welcher ihr Zukünftiger sein wird.

Nikolaus (6. Dezember)
Auch im Egerland war an diesem Tag der Nikolaus als Gabenspender unterwegs.
Sein Begleiter war im Egerland der „Krampus“, ein in Sackleinen gehüllter furchterregender Geselle, mit düsterem Gesicht und schrecklich mit seiner Kette rasselnd.
In anderen Regionen des Egerlandes war es der „Zempa“, ein Poltergeist mit langen Hörnern, furchteinflößender Kostümierung und heraushängender roter Zunge.
Der Nikolaus selbst trat in prunkvollem Bischofsornat auf. Gelegentlich konnte er offenbar auch in einem Bärenfell daherkommen, oder er trug statt der Mitra nur eine zerzauste Pelzmütze auf dem Kopf.

Mariä Empfängnis (8. Dezember)
An diesem Tag wurde die Empfängnis der Maria durch ihre Mutter Anna gefeiert.
Der 8. Dezember war im Egerland ein Ehrentag der Frau. Sie durfte an diesem Feiertag nicht arbeiten oder nähen, insbesondere mit keinem spitzen Gegenstand hantieren. Andernfalls könnte die „Weiße Frau“ erscheinen, und sie so lange erschrecken, bis sie mit der Arbeit aufhörte.

Lucia (13. Dezember)
Dieser Tag ist eigentlich der Gedenktag an die Heilige Lucia, einer Märtyrerin.
Im Egerland wurde dieser Tag offenbar als unterstützende Maßnahme bei der Kindererziehung genutzt: schon Tage vorher, insbesondere wenn Kinder unartig waren, wurde ihnen gedroht, dass an diesem Tag die „Lucia“ kommen würde, ihnen dann den Bauch aufschlitzen, dort glühende Ziegelsteine hineinlegen und dann den Bauch wieder zunähen würde, bevor sie wieder verschwände.

Thomas (21. Dezember)
Der Thomastag erinnert an den Apostel Thomas. Die Thomasnacht galt im Egerland als eine sog. „Losnacht“, die es nach dem Volksglauben ermöglichte, einen Blick in die Zukunft zu tun. Am 21. Dezember ist der Tag am kürzesten und die Nacht am längsten; es ist die Wintersonnenwende.
Ein Mädchen im Egerland, das wissen wollte, wer ihr zukünftiger Herzallerliebster sei, sollte dies erfahren können, wenn sie in der Thomasnacht gegen ihre Bettstatt trat und sich dabei an den Heiligen Thomas mit folgendem Gedicht wandte:
„Heilicha Thomas, ich bitt di(ch,
Bettstood ich tritt di(ch;
Herzallerliebster mein,
leg dich zu mir herein!“

Einer Sage nach soll in der Thomasnacht im Egerland Frau Holle umgegangen sein und gemeinsam mit ihren meist missgestalteten Begleiterinnen Frauen und Mägde mit Ruten gezüchtigt haben, wenn sie sie beim Spinnen antraf.

Literatur / Quellen:
Buch:
Eger und das Egerland – Volkskunst und Brauchtum, Hrsg. L. Schreiner, Verlag Langen Müller, ISBN: 3-7844-2178-4