Egerland

Land, Leute und Kultur

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Gedicht: Frühlingsboten – Fröihling (Otto Zerlik)

Sua töifs aa gfröist, sua vüls aa schneit,
Josefi kinnt u d’Åustazeit,
wåu d‘ Ziegla lustigh springa
u d’Vüagherla va weit, weit hear,

vo Tol u Teich, va Sånd u Mear,
an Fröihling wieda bringa.

Otto Zerlik
(*4. Jänner 1907 in Uittwa bei Tepl, † 24. April 1989 in Geislingen an der Steige)

[gfröist = gefriert, Josefi = Josefstag (19. März), Åustazeit = Osterzeit, Vüagherla = Vögelchen ]

Quelle:
Das Egerland erzählt. Helmut Preußler Verlag, Nürnberg

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Bräuche im Egerland: Fosnat (Fastnacht)

Die Fastnachtszeit hat im Egerland, wie auch in anderen Teilen Deutschlands und Europas eine lange Tradition. Die Ursprünge werden in archaischen Frühlingsbräuchen gesehen, in denen der glücklich überstandene Winter gefeiert wurde und gleichzeitig versucht wurde, auf Gesundheit und auf Fruchtbarkeit der Äcker wesentlichen Einfluss zu nehmen. Solche Bräuche waren das „Pflugumziehen“, was 1459 in einer Egerer Urkunde dokumentiert ist, oder das Ziehen eines Schiffchens auf Karren oder Rädern. Ob sich das Wort Karneval vom lateinischen „carrus navalis“ (Schiffskarren) ableitet, oder ob es mit der bevorstehenden Fastenzeit zusammenhängt, wie es der Ausruf „carne vale!“ („Fleisch, leb wohl!“) ausdrückt, ist offenbar nicht gesichert. In Eger sind Schiffs- und Pflugumzüge bis ins 17. Jahrhundert belegt. Verschiedene Zünfte hatten ihre eigenen Bräuche und Aufführungen, wie z.B. das „Fahnenschwingen“ der Fleischhacker am Faschingsdienstag, Schwerttänze der Kürschnergesellen, oder Reifen-, Morisken- und Laternentänze.
Die manchmal gebrauchte egerländrische Bezeichnung „Nårrnkirwa(h“ zeugte von der Freude am Trinken, Schmausen und Tanzen in dieser Zeit, worin sie eben nur noch von der Kirchweih im Spätsommer und Herbst übertroffen wurde.

Toller Donnerstag
Am Donnerstag vor dem Faschingssonntag zogen die Dorfburschen, ähnlich wie früher die Egerer Tuchknappen einen Pflug durch die im Egerland oft noch verschneiten Gassen.
Regionale Bräuche gab es z.B. in der Gegend um Plan, wo in der Rockenstuben der Ausklang der Hutzaabende als Schöi(d’l- oder Feierrocken mit übermütigem Spaß gefeiert wurde. In der Gegend um Tepl war es Brauch, dass die Burschen besonders viel Fleisch aßen, um Kraft zu bekommen. Dieser Brauch galt im südlichen Egerland auch für die Måi(d)la, die das Fleisch stehend zu verzehren hatten, um „dicke Waden“ zu bekommen.
An „Tollen Donnerstag, der auch der „feiste Sunnta“ genannt wurde, kamen in den meisten Dörfern des Egerlandes die Burschen zusammen, die für die Durchführung der Fastnachtsveranstaltungen verantwortlich waren – zu einer sogenannten „Zech“.

Faschingssonntag
Schon früh am Morgen „maschkerte“ die Dorfjugend durch die Gassen. Häufig waren es einfache Gesichtsmasken aus Papier oder Pappe, „Lårf’m“ oder „Schmåråff’lgsicht“ genannt und eine falsche Nase oder ein angeklebter Bart, ein alter Männer- oder Frauenrock. Mit alten Eimern, Schüsseln und Metalldeckeln von Kochgeschirr wurde dabei möglichst viel Lärm geschlagen.
In Plan gab es einen „Maschkara“-Umzug, bei dem von einem maskierten Ausrufer die „Fosnat aasgschria(r)n“ wurde: in spaßiger Weise lud er so zu den Veranstaltungen der nächsten Tage ein. Neben den vielen „Maschkaran“, also den Maskierten, gab es auch besondere Figuren: der „Tolle Hanswurst“ rannte hinter den Kindern her, die ihn verspotteten, der „Bojaz“ (Bajazzo) ließ sie nach Würstchen schnappen, die er auf einen Spieß aufgesteckt hatte.

Faschingsmontag
Im Egerland gab es für diesen Tag zwei althergebrachte Namen:
„Feister“ Montag wurde er genannt, da auch an diesem Tag seit alters her besonders viel gegessen und getrunken wurde.
„Blauer“ Montag hieß er, da es ein alter kirchlicher Brauch war, von diesem Tag an bis zur Auferstehung die Altäre mit blauen Tüchern zu verhängen.

Faschingsdienstag
Dieser Tag war auch im Egerland der Höhepunkt der Faschingszeit.
Damit „da Floas g’rat“, also der Flachs gut gerate, sollten die Bäuerin und der Bauer bereits vor Sonnenaufgang ein paar kräftige hohe Sprünge tun. Dem selben Zweck diente das Waschen der Spinnräder.
Auch um die Hühner wurde sich an diesem Tag besonders gekümmert: sie bekamen ihr Futter nur innerhalb einer „Hemmkette“, die aus einem Radreifen oder einer kreisförmig gelegten eisernen Kette bestand. Dadurch sollten sie künftig ihre Eier nur noch in die dafür vorgesehenen Nester legen und nicht an sonstigen anderen Orten „verlegen“. Das Nähen oder Flicken war an diesem Tag auch nicht erlaubt, da die Frauen und Mädchen sonst damit den Hühner „die Årschala“ zunähen würden.
Die Tauben wurden an diesem Tag nur durch ein Astloch im Taubenschlag gefüttert, was sie schützen sollte, dass sie im kommenden Jahr nicht vom „Håcht“ (Habicht) geholt würden.

Während die Bäuerin das Haus auskehrte band der Bauer „Bänder“ für die Ernte, mindestens aber drei Strohbänder, möglichst schon vor Sonnenaufgang, die er als Schutz gegen Blitz und Feuer an einem Giebelbalken aufhängte.

Viele Fastnachtsbräuche beschäftigten und erfreuten die Menschen im Egerland an diesem Tag.
Die größte Attraktion am Faschingsdienstag war der Maskenumzug. Die Burschen waren maskiert und verkleidet, teilweise auch in Frauenkleidern. Einer von ihnen lief als „Läufer“ vor dem Umzug und kündigte ihn an. Danach kam dann der „Hanswurst“ mit einer schwarzen  Zipfelmütze, mit einer fünfzüngigen Pritsche versuchte er die Umstehenden zu schlagen oder auch zu streicheln. Danach kam der „Bojaz“, der „Bajazzo“, er hatte nur Spaß und Scherz im Sinn. Danach dann kam der „Bär“, eine besondere Figur, die völlig in Erbsen-, Bohnen- oder Roggenstroh gehüllt war. Diese führte der „Bärenführer“ mit einer knallenden Peitsche, die mit bunten Bändern umwickelt war. Darauf folgten in einer Schar „Jud und Jüdin“, „Türk“, Tiroler, „Mädel und Jäger“, „Schützen“, „Kraxenträger“ und „Fleischhacker“. Der „Schlotfeger“ versuchte mit seiner Leiter Umstehenden auf den Rücken zu steigen, ein „Doktor“ mit einer großen Spritze andere Narren zu kurieren. Zudem gab es natürlich viele Possenreißer, Gaukler und Narren. Das „Garmwei(b“ war eine obligate Figur, mit witzigen Sprüchen und Gesten bot sie „Garm“ (Hefe) zum Verkauf an.

Natürlich wurde im Egerland an Fasching auch viel getanzt. Am Montag war dies den Verheirateten vorbehalten, am Faschingsdienstag gab es einen „Ball“ vor allem für die Jugend. Die „Platzmoad“ („Platzmagd“, Ballkönigin) eröffnete den Tanz im Wirtshaus. Neben viel Spaß und Narretei gab es besondere Tänze, wie den „Pölsterltanz“ und „Besentanz“, den „Korbwalzer“ und den „Kusswalzer“.

Vor Mitternacht begann dann ein besonderer Brauch, in der Planer Gegend hieß er „Schliagl’n“, in anderen Gegenden „die Press“ oder „das Pritschen“ – dabei wurden die Mädchen „verdonnert“, mit einen kleinen Geldbetrag zu helfen, die den Veranstaltern entstandenen Kosten zu decken. Wenn dabei nicht nur der „Schliag’laafgång“ (die Ausgaben) gedeckt wurden, sondern noch ein Überschuss erzielt wurde, so wurde dieser von den Burschen am nächsten Tag verzehrt oder in Form von Bier vertrunken.

Aschermittwoch – Faschingsbegraben
Mit Beginn der Fastenzeit war der Fasching vorüber. Noch einmal trafen sich an diesem Tag die „Bou(b’m uu Måi(d)la“ um bei einer groß aufgemachten und spaßhaften Begräbniszeremonie den „Blas’l“ („Blasius“) zu „begraben“. Dies konnte auch mit einer anderen Symbolfigur des Faschings geschehen, wie dem „Bären“ oder einer „Bassgeige“. Der „Blas’l“ wurde in Form einer Strohpuppe mit Musik auf einer Bahre oder in einem Trog getragen, zum Dorfteich oder einer anderen Wasserstelle, wo er nach einer lustigen „Grabesrede“ im Wasser versenkt wurde. Andernorts, wie z.B. in Hackenhäuser („Håckahaisa“) bei Marienbad, hatte der Blas‘l während der Faschingszeit auf dem Giebel des Wirtshauses gesessen. Am Aschermittwoch wurde er dann von dort heruntergeholt und in einer Prozession zu einem Hang auf eine Wiese getragen, wobei er von einem weiß verkleideten und geschminkten Maskierten – dem Tod – verfolgt wurde. An einer besonderen Stelle wurde der Blas‘l dann verbrannt.
Ein großer Tusch der Musikkapelle beendete die Zeremonie. Der Fasching, und nach alten Vorstellungen wohl auch der Winter, waren nun zu Grabe getragen worden.
Dies wurde dann noch einmal im Wirtshaus gefeiert und insbesondere mit Bier begossen, damit somit nun auch „die Gerscht’n g’rat“, also die Gerste gut gerate.

Literatur
Buch:
Eger und das Egerland – Volkskunst und Brauchtum, Hrsg. L. Schreiner, Verlag Langen Müller, ISBN: 3-7844-2178-4


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Film: Die Egerländer … was ist aus ihnen geworden? (Dokumentation)

Es gibt ganz aktuell einen neuen Film über die Egerländer – frei verfügbar im Internet.

Ein sehr guter Film, der Vieles anspricht – in sehr konstruktiver Weise.

Verfügbar auf Deutsch und auf Tschechisch.

Unbedingt sehenswert!!!

Der offizielle  Hinweistext (Zitat):

„Die Egerländer – wo sind sie heute – was ist aus ihnen geworden?

Bald wird es keine Zeitzeugen mehr geben, deshalb entstand dieser Film.
In dieser Dokumentation wurde alles was die Egerländer ausmacht filmisch festgehalten: ihre Tracht, ihre Musik, ihre Instrumente und Tänze, ihre Sprache – eben die gesamte Egerländer Kultur!
Es wurden Personen sowohl der Erlebnis- als auch der Bekenntnisgeneration – auch Personen interviewt, die in ihrer alten Heimat Egerland, der heutigen tschechischen Republik, verblieben sind und hier die deutsche Minderheit ausmachen.
Hauptanliegen war es, ein zeitgeschichtliches Dokument zu erstellen für die junge Generation beider Länder.
Es wurde ganz bewußt versucht, politische Zustände der damaligen Zeit auszuklammeren und die persönliche Meinung der Interviewpartner in den Mittelpunkt zu stellen.
Das erklärte Ziel war es, durch diese Dokumentation einen bewußten Beitrag zur noch intensiveren Verständigung zukünftig zwischen den betroffenen Ländern zu leisten.

Quellen:
Internet:
Die Egerländer … was ist aus ihnen geworden? (Startseite)

Direktverknüpfungen:
Die Egerländer … was ist aus ihnen geworden? (Dokumentation)
Die Egerländer … co se s nimi stalo? (documentace) Historické město a kraj Cheb

 

Eckkastenkrippe_Egerland_Petschau_Forstmeisterei_selbstgeschnitzt_ca_1880_www.egerland.wordpress.com


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Bräuche im Egerland: Dreikönigstag 6. Januar

Bis zum Jahr 1690 war in großen Teilen Europas der Jahreswechsel am 6. Januar. Ab dem Jahr 1691 verlegte Papst Innozenz Xll. den Neujahrstag auf den 1. Januar. Dies galt natürlich auch für das Egerland – und es erklärt, weshalb sich hier einige Bräuche, die ansonsten auch für Neujahr gelten, am 6. Januar erhalten haben. Daher hieß der 6. Januar, in manchen Regionen des Egerlandes auch „s‘ Håuch nei Gåu(h)a“, das „hohe Neujahr“

In früherer Zeit traten auch am Dreikönigstag die Gellerer auf, wie sie bereits für den Jahreswechsel im Egerland beschrieben wurden. Bereits in vorchristlicher, germanischer Zeit gab es den Brauch, dass der Hausherr zum Jahreswechsel mit einer Räucherpfanne durch sein Anwesen ging, dabei Zauberformeln aufsagte und Heilzeichen zur Abwehr von Dämonen anbrachte. Dieser Brauch war noch im Mittelalter in Deutschland weit verbreitet. Weihrauch am Dreikönigstag und das Anbringen von Kreuzen und der Segensformel „C M B“ (Christus Mansionem Benedicat = Christus segnet dieses Haus) mit geweihter Kreide am Hauseingang, werden in Zusammenhang damit gesehen.

Auch im Egerland zogen die Sternsinger zur Erinnerung an die Heiligen Drei Könige von Haus zu Haus. Ein altes weißes Männerhemd konnte dabei als Soutane dienen, eine weiße Tüte die edle Kopfbedeckung ersetzen. Einer hatte ein rußgeschwärztes Gesicht und einer hielt einen Stab mit einem Stern darauf, der sich während des Vortrags mittels einer einfachen Rolle in Drehbewegungen versetzen ließ.

„Die heilinga drei Könich mit ihrem Stern,
Sie kommen zu enk aus weiter Fern,
Und suchen das neugeborene Kind,
Der Stern am Himmel hat’s verkündt.
Der Kåspa kommt aus dem Inderland,
Der Melcha haust im Wüstensand,
Der Bålza ist noch viel weiter her,
Saa(n‘ Land liegt an dem großen Meer.
Wir sind seit langem schon auf den Füßen,
Und wollen den neuen Heiland grüßen.
Er bringt enk Gottes Segen ins Haus,
Wir betn uns eine Gabe aus.“
[betn = bitten]

Eine andere Fassung aus der Wildsteiner Gegend:

„Die halninga drei Könich mit ihran Stern,
Sie lobm heint Gott und preisn den Herrn!
Mir zogen wohl über den Berg hinaus,
Herodes schaut zum Fenster heraus.
Herodes sprach mit trotzigem Sinn,
Wo wollen die halinga drei Weisen hin?

Nach Bethlehem steht unser Sinn!

Dirt’s halinga drei Manna bleibts af d’Nåcht ba mir,
Ich will enk geben Wein und Bier.
Ich will enk geben Stroh und Heu,
Ich will enk halten zehrungsfrei.

Mir zogen über den Berg hinaus,
Der Stern stand fest über einem Haus.
Mit gänga in dees Haus hinein,
Uu finna as Kinnerl im Krippelein.
Mir fålln glei(ch nieda auf unsre Knie,
Und bringa dem Kind unsere Opfer hi(n‘:
Weihrauch, Myrrthn und rotes Gold,
Das dem Kind gehören sollt.“

Dann sprach der „Mohr“:

„Ich bin der Schwarze, der Mohr genannt,
Ich trag die Schüssel auf meiner Hand;
Drum gebt mir was in die Schüssel hinein,
Damit ich kann zufrieden sein!“ 

Und abschließend alle drei gemeinsam:

„Habt Dank, habt Dank, für eure Ga(b)m,
Die wir von euch empfangen ha(b)m!
Habt Dank, habt Dank, habt Dank!“

Im Anschluss wurde die bekannte Formel an Türen und Toren des Wohngebäudes mit Kreide angebracht, manchmal auch an den Stallgebäuden oder auch am Taubenhaus. Die Kreide war am Tage im Rahmen der „Wasserweihe“ geheiligt worden, bei der zudem auch in manchen Teilen Salz, Zwiebeln und Knoblauch geweiht worden waren. Die geweihten Zwiebeln bzw. der geweihte Knoblauch wurden in der Nähe der Tür aufgehängt, damit sie böse Geister am Eintreten hinderten. Hingen die geweihten Zwiebeln oder der Knoblauch beim Ofen, so boten sie Schutz gegen Zauberei und Verhexung und zogen Krankheiten auf sich.

Geweihtes Salz und geweihtes Wasser vom Dreikönigstag halfen Hexen fernzuhalten, z.B. indem sie beim Buttern mit ins Butterfass gegeben wurden, zudem unterstützten sie die Haltbarkeit, da diesem Wasser nachgesagt wurde, dass es sich sieben Jahre oder länger halten sollte, ohne schlecht zu werden. Außerdem dienten sie als Zusätze bei der Nahrung, z.B. bei Tieren im „Trånka“ oder im „G‘leck“ (vgl. Bräuche im Egerland: Heiligabend) und bei Menschen sollten sie Fieber und Halsschmerzen heilen.

Auch in den Wohnstuben gab es Weihwasser, mit dem man sich benetzen konnte, an der Wand in einer besonderen Schale aus Porzellan oder Zinn.

Haustiere wurden bei Verkäufen oder bei Käufen mit Weihwasser besprengt, insbesondere, wenn sie das erste Mal auf den Hof kamen.

Am Dreikönigstag besprengte der Bauer den Hof und die Gebäudeteile mit dem frisch geweihten Weihwasser, später auch die Felder.

Am Abend des Dreikönigtags tranken die Egerländer gemeinsam im Wirtshaus „d‘ Störk“, also auf die „Stärke“ – für das kommende Arbeitsjahr.

Literatur
Buch:
Eger und das Egerland – Volkskunst und Brauchtum, Hrsg. L. Schreiner, Verlag Langen Müller, ISBN: 3-7844-2178-4

https://egerland.wordpress.com/2013/12/05/brauche-im-egerland-vorweihnachtszeit/


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Bräuche im Egerland: Silvester und Neujahr – „Ich wünsch Enk a glücksöllich’s nei’s Gåu(h)a!“

Am 31. Dezember, an Silvester gab es auch im Egerland diverse Bräuche, die als Orakel helfen sollten, in die Zukunft zu sehen. Nach dem Abendessen wurde z.B. das heute noch weit verbreitete Bleigießen durchgeführt. Beim „Knödelkochen“ wurden in die rohen Knödel Zettel mit Sprüchen, Wünschen oder Namen hineingetan, und beim Kochen kam es dann darauf an, welcher dieser Knödel zuerst an die Oberfläche kam. Beim Pantoffel- oder Schuhwerfen wurde ein Schuh über die Schulter nach hinten geworfen, zeigte die Spitze Richtung Tür, so wurde dies als gutes Zeichen gewertet.
Männer verbrachten die letzten Stunden des Jahres gerne in einer Gastwirtschaft in Gesellschaft. Um Mitternacht gab es vom Wirt ein Glas Grog oder Punsch auf Kosten des Hauses.

Der 1. Januar, der Neujahrstag wurde als Vorausschau auf das kommende Jahr gewertet.
Im Egerland hieß es:
“Wöi’s nei Gåu(h)a – sua-r-as gånz Gåu(h)a!”
[Wie das neue Jahr, so das ganze Jahr]
Was man an diesem Tag tat, das würde man auch das ganze weitere Jahr hindurch tun. Insofern war es besser, z.B. am Neujahrstag früh aufzustehen, sich korrekt zu kleiden, nichts zu kaufen oder zu verkaufen, nicht zu faulenzen oder zu stürzen und sich zu verletzen.

Früh am Morgen des 1. Januar gab es auch wieder das „Peitschen“, nur diesmal umgekehrt, wie am 1. Weihnachtsfeiertag: an Neujahr waren es die Mädchen, die nun die Burschen peitschten mit den ergrünten Barbarazweigen. Und es waren die gleichen Sprüche, die sie dazu aufsagten.

Im Laufe des Vormittags wünschten sich die Nachbarn, Verwandten und Bekannten „a glücksöllich’s neu’s Gåu(h)a“, oft mit dem Zusatz „uu a lång’s Lee(b’m danee(b’m“.
Bei Frauen gab es den Zusatz „uu an gout’n Moa(n‘ danee(b’m“.
Der Ehemann wünschte seiner Ehefrau „saa(n‘ gånza Löi(b danee(b’m“.

Es gab auch längere Neujahrssprüche:
„Wünsch a glücksöllich’s neu’s Gåu(h)a,
a-n-ålt’s Tüa(r’l uu a neu’s Tåua,
an Stool vulla Hörna,
an Buad’n vulla Körna,
an Beit’l vulla Göld,
dass-n ua(b’m wieada assaföölt!”
[Tåua = Tor, Stool = Stall, Buad’n = Getreideboden, ua(b’m = oben]

Ein allgemein üblicher Wunsch zum Neuen Jahr war:
„Ich wünsch a glücksöllich’s nei’s Gåu(h)a, wot’s enk wünscht’s wird wåu(h)a!“
[Ich wünsche ein glückseliges neues Jahr, was ihr euch wünscht, möge wahr werden!]

Waren die Neujahrsglückwünsche überall vorgebracht, insbesondere auch bei seinem Paten, wofür man oft ein Geldgeschenk erhielt, hatte man „s nei Gåu(h)a oogwunna“ [gewonnen]. Dann gings ins Wirthaus, „af’s nei Blout gäih(n“, also sich dort mit Wein oder Bier „frisches Blut“ anzutrinken.

Gegen Geldmangel im neuen Jahr sollte es helfen, etwas Hirsebrei zu essen, oder ein paar Löffel einer anderen Quellfrucht, wie z.B. Erbsen oder Bohnen.

Am Abend trank man dann wieder im Wirtshaus „die Schäi(hn“, also auf die (eigene) Schönheit.

In den Abendstunden zogen im Egerland ältere Frauen meist paarweise von Haus zu Haus, um mit dem Singen besonderer Neujahrslieder den Bewohnern Gutes zu tun und zu wünschen. Dafür bekamen die Sängerinnen Semmel und Brot, aber auch andere Gaben und Geldgeschenke, wofür sie sich üblicherweise mit einem doppelten „Vergelt’s Gott“ bedankten.

In der Gegend um Falkenau zogen noch bis zur Vertreibung der Egerländer jeweils am Neujahrstag die „Göllerlsinger“, oder auch „Gellerer“ oder „Gellerersänger“ von Haus zu Haus. Das Wort „gellen“ bedeutet „hell und durchdringend schallen“ und stammte vom mittelhochdeutschen „gellen“ bzw. althochdeutschen „gellan“ ab, was „laut rufen oder schreien“ bedeutete. Die Göllerlsinger machten mit großen Kuhglocken, Blechtöpfen und schweren Eisenketten großen Lärm.
Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts war auch im Stadtkreis Eger das „Gollengehen“ üblich gewesen, wobei die Stadtjugend ordentlich Lärm schlug. Gegen dessen Auswüchse wurden wiederholt Verbote vom Rat der Stadt ausgesprochen. Dieser ließ als Alternative zwei Stadttrompeter von Haus zu Haus gehen, damit diese dort das neue Jahr „anblasen“. Dies taten sie auch vom Schwarzen Turm der Kaiserpfalz. Zusätzlich waren Stadtpfeifer in Uniform unterwegs, die vor den Hauseingängen ihre schwarzen Hüte schwangen mit der Frage „dürfen wir unsere Schuldigkeit tun?“ Wenn sie eingelassen wurden, spielten sie in der Wohnstube, oft nach einem sehr lauten Trommelwirbel, ihre Neujahrsmelodien.

In den Rockenstuben, in denen in früheren Zeiten das Garn gesponnen wurde, feierte man den Neujahrstag besonders, mit „Rockaböia“ [Böia = Bier], mit Musik und Tanz.

Der Neujahrstag galt im Egerland für das Wetter des kommenden Jahres als richtungsweisend:
„Neujahr hell und klar – bringt gutes Jahr!“

Literatur
Buch:
Eger und das Egerland – Volkskunst und Brauchtum, Hrsg. L. Schreiner, Verlag Langen Müller, ISBN: 3-7844-2178-4

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Bräuche im Egerland: Heiliger Abend und Weihnachten

Mit dem Heiligen Abend war auch im Egerland die Vorweihnachtszeit vorbei, endlich war Weihnachten!

In der bäuerlichen Kultur des Egerlandes gab es eine Reihe von Bräuchen, die eng mit der Landwirtschaft verbunden waren. Dabei gab es nicht nur die großen Bauernhöfe.
Der Großteil der Bevölkerung des Egerlandes lebte in Dörfern über das Land verteilt, das die Egerländer dereinst gerodet und urbar gemacht hatten, wo sie ihre Häuser und Höfe erbaut hatten.
Insofern hielt dort fast jeder als zusätzliche Nahrungs- und Einkommensquelle ein paar Tiere, und waren es nur ein paar Stallhasen, Hühner, Gänse, Ziegen oder auch ein, zwei Kühe oder Schweine. Solch ein Schwein wurde dann z.B. nach dem Mästen verkauft, um Geld für weitere Anschaffungen zu haben, auch wenn sich die Familie selbst öfter einmal einen guten Braten gewünscht hätte!
Außerdem bewirtschafteten viele, auch „nebenher“, ein mehr oder weniger großes Stück Land, das konnten der Hausgarten, oder auch ein oder mehrere Felder sein.

Am Heiligen Abend (24. Dezember) galt die Aufmerksamkeit daher zunächst den Tieren. Vor dem gemeinsamen Mahl der Familie bekamen die Tiere das sog. „G’leck“, eine Mischung aus Hafer, Kleie und Salz, und häufig auch Äpfeln und Nüssen. Wurde dies vom Großknecht oder der Großmagd verfüttert, so geschah dies mit den Worten: „Dåu schickt enk da Baua aa woos von Halinga Åum(b)d!

Die Hausherrin kümmerte sich in der Regel um die Vorbereitung des Festmahles. Außerdem hatte sie noch darauf zu achten, dass keine nasse Wäsche mehr auf der Leine hinge, denn das brächte Unglück.
Die Anzahl der Gäste sollte eine gerade Zahl sein, um Unglück zu vermeiden. Die Hausfrau sollte auch vom Tisch möglichst nicht aufstehen oder unnötig umhergehen, da sonst die Hennen nur wenige Eier legen und auch schlecht brüten würden.

Das Festmahl am Heiligen Abend bestand im südlichen Egerland oft aus einem Weihnachtskarpfen, der aus Teichen der Region stammte, die u.a. der Fischzucht dienten und im Winter abgelassen wurden.
Im Norden des Egerlandes gab es, wie z.B. auch im benachbarten Erzgebirge und Vogtland, den Brauch des „Neunerlei“, d.h. neun verschiedenen Speisen, von denen jede eine bestimmte Bedeutung hatte. Im Egerland bestand dies aus mindestens Fisch, Geselchtem (Rauchfleisch), Knödel, Weihnachtssemmel, Äpfel, Nüssen, Zwetschgen, Kaffee, Hutzel und Spalken(gedörrte Birnen), deren Kerne aufbewahrt wurden, um später als Heilmittel gegen verschiedene Krankheiten zu dienen.
Als Abschluss des Mahles am Heiligen Abend wurde  im Egerland vom Hausherrn ein Apfel geteilt, wobei die Anzahl der Stücke, der Zahl der anwesenden Gäste entsprach. Wurde dabei ein Kern durchgeschnitten, bedeutete dies, dass es einen Todesfall geben würde. Es gab im Egerland auch den Brauch, beim Verteilen der Stückchen sinngemäß zu sagen, falls man sich einmal verirren sollte, dann brauche man sich nur an dieses Stück gegessenen Heiligabendapfel erinnern, um wieder den richtigen Weg zu finden.

Nach dem Mahl wurden Speisereste in den Garten gebracht und damit die Bäume „gefüttert“, damit auch diese wussten, dass Heiliger Abend ist und im nächsten Jahr reichlich trugen. Die Bauern machten das Gleiche dereinst auf den Feldern.

Im Kaiserwald, bei Karlsbad und im Erzgebirge schüttete man Essensreste in die Stauden, damit der „Zempa“ oder „Zempara“ etwas zu essen habe. Der „Zempa(ra)“ war ein besonderer Geist des Egerlandes. Er wird allerdings unterschiedlich beschrieben. Einerseits, wie in einem vorigen Beitrag, als Begleiter des Heiligen Nikolaus, mit Hörnern und einer langen Zunge. An anderer Stelle beschreibt man ihn als männliche Gestalt in weißem Gewand mit langem Spechtschnabel vor der Nase, Sichel und Messer wetzend. Manche mussten sich beim „Füttern“ der Bäume sehr fürchten, hieß es doch, dass ihnen dabei der „Zempa“ oder auch die „Sperte“, besonders wenn sie das Jahr über recht unfolgsam gewesen waren, den Bauch aufschlitzen und die Gedärme an den Zaun hängen würden. Andererseits durften die Egerländer, wenn sie am Heiligabend mit den Essensresten „den Zempara föitern“, im Folgejahr auf reiche Ernte hoffen.
Wenn ein Mädchen den Bäumen das Speiseopfer brachte, niederkniete und betete, und dann horchte, aus welcher Richtung Hundegebell kam, sollte sie auch wissen, wer ihr Künftiger sei, bzw. woher er komme.
Eine bekannte Bauernregel half den Ernteertrag des kommenden Jahres einzuschätzen:
„Christnacht viel Stern – viel Erdäpfel!“

1. Weihnachtsfeiertag (25. Dezember)
Der 1. Weihnachtsfeiertag war der höchste und größte Feiertag der ganzen Weihnachtsfeiertage.
Sehr früh, möglichst noch, bevor die anderen aufgestanden waren, machten sich die Burschen auf den Weg zu Mädchen aus ihrem Bekanntenkreis. Dabei hatten sie Barbarazweige, also Zweige z.B. von Birken- oder Kirschenbäumen, geschnitten am Barbaratag (4. Dezember), die nun ergrünt waren, manchmal zusätzlich verziert mit roten Bändern oder grünen Seidenschleifen. Dies hatten sie dabei, um das auserkorene Mädchen damit auf Schultern, Rücken, und auch die entblößten Beine und Schenkel zu „peitschen“ während sie dabei einen der folgenden Sprüche aufsagten.
„Gråun, gråun,
üm-r-a gouts Peitschalåuhn“

„Frische, frische Krone,
ich peitsche nicht um Lohne;

ich peitsche nur aus Höflichkeit,
dir und mir zur Gesundheit!“ 

„Hupf wöi a Haas’l,
gråun wöi a Graas’l,
schloa-r-aas wöi a Felwastuak,
röich wöi a ålta Zieg’nbuak!“ 

“Schmeckt da Pfeffa gout,
wüllst di(ch läis’n?” 

Das „Läis’n“, also das „Lösen“, konnte dann erfolgen, indem das Mädchen dem auspeitschenden Burschen ein Stück Kuchen, eine Weihnachtssemmel, Eier, Schnaps oder auch manchmal Geld geben mussten.
Von den derart erkorenen Mädchen, Hausfrauen, oder auch dem weiblichen Gesinde, wurde diese Art der Behandlung als Ehre verstanden, zudem versprach dies auch Gesundheit, Glück und Segen. Dahinter stand die Vorstellung, dass sich die besonderen Kräfte der Rute, wie sie sich auch durch das Wort „gråuna“ ausdrücken, was „aufleben“ und „gedeihen“ bedeutet, dabei auf die Geschlagene übertragen.
Am 25. Dezember besuchten sich im Egerland üblicherweise Verwandte und Nachbarn und wünschten sich „glückselige Feiertage“. Nachmittags besuchten die Taufpaten, die „Tua(d)n“ ihre Patenkinder und brachten ihnen kleinere Geschenke.

2. Weihnachtsfeiertag (26. Dezember)
Am Tag des Heiligen Stefan erfolgten im Egerland wie bereits am Vortag Verwandtenbesuche, und Paten besuchten ihre Patenkinder mit Geschenken. Da der Heilige Stefan auch Patron der Pferde war, wurden an diesem Tag im Egerland die Pferde mit Bändern und anderem Schmuck ganz besonders herausgeputzt, dann mit ihnen der Stefansritt vollzogen, d.h. eine Kirche oder Kapelle umritten, und anschließend wurden sie kirchlich geweiht.

28. Dezember – Tag der unschuldigen Kinder
Der „Unschuldi Kinn’ltooch“ bildete im Egerland den Abschluss der Weihnachtsfeiertage.
Auch an diesem Tag fand das oben beschrieben „Auspeitschen“ statt.
Um Unglück zu vermeiden, wurde auch an diesem Tag nicht oder möglichst wenig gearbeitet.

Literatur / Quellen:
Buch:
Eger und das Egerland – Volkskunst und Brauchtum, Hrsg. L. Schreiner, Verlag Langen Müller, ISBN: 3-7844-2178-4

Zeitschrift / Periodicum (4 pro Jahr):
„Stimmen von Sandau“: „Der Heiligabendapfel“ (4/2013, 64. Jahrgang, S. 20f., Hrsg. und Abonnement Josef Plahl, Weilburg) 

Internet:
Neunerlei (Wikipedia)

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Gedicht aus dem Egerland zum Heiligen Abend:“S’is Halegha Åum(b)d“

S’IS HALEGHA ÅUM(B)D

Halegha Åum(bd, drua(bm im Kaiserwold –
åls töif vaschneit u da Wind waht kolt
a Hüafl am Wold, hi(ngloint oan Hång,
Trüpf hängt volla Eiszåpfm, dick u lång.
Zwoa Fensta stråhln asse, hells Löicht in Gårtn –
dona soll untan Baimån s’Christkin(dl wårtn!
Drin sitzn zeah Leit üman groußn Tisch;
zan Haleghn åum(bd gi(bts hei(nt amål Fisch,
s’san båchane Haren(g u Ea(rdöpfl dazou,
an Stolln u dürrt‘ Zwatschka nu hintnnou(ch.
Kin(da san hei(nt schon gånz schäi(n afdraht,
wal se jeds, wöi nea wos afs Christkin(dl gfrat.
Båld möin se ins Bett, in da Kåmma(rn drua(bm;
Die Groußn ho(bm se spata schäi(n wårm oa(nzuagn,
sie nemma in d’Händ, an Steckn, d’Lotern;
in da Haleghn Nåcht bsoucht ma d’Mettn gea(rn.
Sie ståpfm a Stund hi(n – zruck a nou(ch ra Waal,
da Schnäi, dea(r glitzert im Löicht, wöi Kristall –
in Gedånkn va(rsunkn ban Wun(da, dera Nåcht,
wöi Maria u Josef söllmål a hout g‘wåcht.
Kin(da wear(dn munta, bål(d in da Fröih
u rumpeln in d’Stu(bm oi, ganz alle(ch, als wöi;
da Zuckabam funklt nan zou, volla Pråcht
U drunta is abroit‘, wos s’Christkin(dl bråcht:
Da Kloin ihra Puppm, döi hout a nei’s Kloi(dl,
wårm Strümpf u a Mutzn find s’gräißare Moi(dl,
s’Hanserl a Wagl mit ran Pfaa(dl droa(n,
an Pepi bringts Stiftfår(bm, da ra måln fest koa(n,
füa(rn Franze an Baukåstn, füa(r oin feste Schouh
u Äpfl u Nüss‘ san füa(r åll a nu dou.
Ihra Augn, döi glänzn u s’Gsicht stråhlt voll Freid,
o du schäina, åltsölegha Weihnåchtszeit!

Gustav Brandl

Quelle:
„Stimmen von Sandau“  (4/2013, 64. Jahrgang, Hrsg. und Abonnement: Josef Plahl, Weilburg)