Egerland

Land, Leute und Kultur

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Weihnachtskrippen aus dem Egerland – Ausstellung im Egerland-Museum in Marktredwitz

Passend zur Weihnachtszeit zeigt das Egerland-Museum in Marktredwitz eine große Ausstellung von Krippen aus dem Egerland und aus Marktredwitz.
Besonders schön, dass ein Teil der Egerländer Weihnachtskrippen aus dem Fundus des Regionalmuseums in Eger zur Verfügung gestellt wurde.
(In der Dauerausstellung in Eger (Cheb) spielt die Volkskultur der Egerländer leider keine große Rolle…).

Informationen zur Kultur der Weihnachtskrippen im Egerland habe ich bereits in einem früheren Beitrag hier zusammengefasst.

Diese neue und aufwändige Ausstellung im Egerland-Museum in Marktredwitz zeigt eine große Bandbreite von verschiedenen Krippenformen aus unterschiedlichen Materialien und quer durch die verschiedenen Gebiete des Egerlandes!
Dazu gibt es einen sehr umfangreichen Katalog.

Bis zum 29.03.2015 kann diese schöne und interessante Ausstellung im Egerland-Museum besichtigt werden!

Weitere Informationen im Internet:
Egerland-Museum Marktredwitz: Informationen zur Ausstellung „Eine Welt im Kleinen – Krippen aus dem Egerland und Marktredwitz“
Egerland-Museum Marktredwitz: Faltblatt zur Ausstellung (pdf)
Ein kurzer Film über diese Krippen-Ausstellung (TV Oberfranken)

 


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Der letzte Sonntag im August: Egerer Birnsunnta und Vinzenzifest

Am 6. Dezember 1693 wurden die Reliquien des Heiligen Vinzentius  in die Stadtkirche von Eger – St. Nikolaus – überführt. Papst Alexander VIII. hatte im Jahre 1689 die Gebeine des in der römischen Kaiserzeit hingerichteten Märtyrers Vinzentius dem Kardinal Johann Leopold Graf von Kolonitsch überlassen, welcher sie zunächst nach Wien überführt hatte und nun, im Jahre 1693 zum Namenstag des Kirchenheiligen, der Stadt Eger eine Kopfreliquie vermachte. Seit 1691 war Innozenz XII. der neue Papst, er gewährte zur Feier dieses Tages einen vollkommenen Ablass.
Von 1694 an wurde das Vinzenzifest in Eger immer als Erntedank am letzten Sonntag im August gefeiert. Auch Goethe besuchte mehrmals dieses Fest und erwähnte es in seinen Tagebüchern aus den Jahren 1821 und 1822.
Nach der kirchlichen Prozession spielten hier Birnen als Zeichen des Erntedanks eine besondere Rolle, sie wurden in großer Zahl auf dem Markt feilgeboten und führten zu dem Beinamen „Birnsunnta“ (Birnensonntag).

Nach der Vertreibung der Egerländer wurde das Vinzenzifest bzw. der Birnsunnta ab 1949 in Schirnding und seit 1951 in Wendlingen am Neckar gefeiert.
1978 wurden in Wendlingen  nach dem Gottesdienst wieder Birnen an die Festgäste verteilt, und so der alte Egerer Brauch des „Birnsunnta“ wiederbelebt.
Zum 30. Vinzenzifest in Wendlingen am Neckar wurde 1981 eine Teilreliquie de Hl. Vinzentius aus Wien in einen Seitenaltar der dortigen St. Kolumban-Kirche verbracht.
Jahr für Jahr ist das Vinzenzifest in Wendlingen am Neckar ein großes Fest der Egerländer und anderer Volksgruppen, die sich zu diesem traditionellen Fest treffen und gemeinsam feiern.
Auch dieses Jahr findet das Vinzenzifest in Schirnding und in Wendlingen wieder statt!

Termine 2014:
Vom Freitag 29. – Sonntag 31. August 2014 wird in Wendlingen gefeiert: das 63. Vinzenzifest verbunden mit dem 40. Egerländer Landestreffen und dem 80. Gautrachtentreffen des Südwestdeutschen Gauverbandes der Heimat- und Trachtenvereine.
Am Samstag, 30. August 2014 findet ab 10:30 Uhr ein Erntedankgottesdienst in Liebenstein (heute: Liba) in der Kirche St. Katharina statt – weitere Informationen s.u.

Weitere Informationen
Internet:

Vinzenzifest in Wendlingen (29.-31. August 2014)
Programm Vinzenzifest in Wendlingen am Neckar
Sudetenpost (–> S.4)
Feste im Egerland (S. 2 bzw. „91“)

Buch:
Eger und das Egerland – Volkskunst und Brauchtum, Hrsg. L. Schreiner, Verlag Langen Müller, ISBN: 3-7844-2178-4


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Da Himml stäiht vul Stearla – Egerländer Wiegenlied


Da Himml stäiht vul Stearla –[Der Himmel steht voll Sternlein…]
Dieses Egerländer Wiegenlied habe ich vor längerer Zeit im Internet entdeckt. Den Text und die Melodie finde ich sehr schön!
Und es ist gleichzeitig eine indirekte Erklärung, weshalb ich die letzten Wochen nur wenig hier aktiv sein konnte.
Frei nach dem Egerländer Motto:  Lauts fei d’Wöigh neat lua stöih, sunst möist unna Eghaland zgrund göih!  🙂
[Lasst nur die Wiege nicht leer stehen, sonst müsste unser Egerland zugrunde gehen.]

Der vollständige Text (zum Mitsingen 🙂 ):

Da Himml stäiht vul Stearla,
schlåuf a(n, schlåuf a(n ma(n Kind,
du wüllst, dass sua ra Stearl
ich dia(r zan Spüln hul gschwind?
Du wüllst, dass sua ra Stearl
ich dia(r zan Spüln hul gschwind? 

Du brauchst ja koa(n suan Stearl,
koa(n)s jå gråu(t)n von Herzn gearn,
denn deina Äugla glänzn
vül hella wöi zwäi(n Stearn,
denn deina Äugla glänzn
vül hella wöi zwäi(n Stearn. 

U öitza wolln se tröi(b wearn,
drüm schlåuf, schlåuf a(n recht schnell,
a Engerl wiard se putzn,
murgn san se wieda hell,
a Engerl wiard se putzn,
murgn san se wieda hell.

Der Text des Liedes ist von Josef Urban, die Melodie von Michl Reiter.

Weitere Informationen
Internet:
Audio-Video: Da Himml stäiht vul Stearla (youtube)

Buch:
Singendes Egerland. Ein- und zweistimmige Egerländer Lieder. Egerland-Verlag, Helmut Preußler, Nürnberg

EghalandaGmoin_Huasnoantoutara


Ein Kommentar

Termin 16.-18.05.2014: 44. Treffen der Egerland-Jugend

Die Egerland-Jugend ist die Jugendorganisation des Bundes der Eghalanda Gmoin e.V. – Bund der Egerländer. In verschiedenen Bundesländern gibt es jeweils mehrere Ortsgruppen, in denen die Kultur der Egerländer gelebt und gepflegt wird, insbesondere Lieder, Tänze, Trachten, Brauchtum und Mundart des Egerlandes.
Jedes Jahr treffen sich diese Gruppen an wechselnden Orten.
Dieses Jahr findet das 44. Treffen der Egerland-Jugend in Mörlenbach in Hessen statt.
Gäste sind dort herzlich willkommen!
Weitere Einzelheiten zu den Veranstaltungen finden sich im Einladungsschreiben auf der Internet-Seite der Egerländer in Offenbach (s.u.).

Selbst hatte ich noch keine Gelegenheit an einem solchen Treffen teilzunehmen, aber ich hatte das überaus große Vergnügen einen wunderschönen und ausführlichen Video-Film über die letztjährige Samstag-Abendveranstaltung „Egerländer Notenbüchl“  auf einer Doppel-DVD von „0711guen“ sehen zu können. Dies war vom Filmischen, aber natürlich auch gerade von den verschiedenen Darbietungen her ein ganz besonderer Genuss!

Daher kann ich einen Besuch dieses Treffens allen an der Kultur des Egerlandes und der Egerländer Interessierten nur sehr empfehlen!

Weitere Informationen
Internet:

Programminformationen zum 44. Treffen der Egerland-Jugend (Egerländer in Offenbach) 

Egerland-Jugend – Bund der Eghalanda Gmoin e.V.

Blog von „0711guen“

Kaiserwald_Glatzen_Bleml_Egerland.wordpress.com


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Gedicht: Frühlingsboten – Fröihling (Otto Zerlik)

Sua töifs aa gfröist, sua vüls aa schneit,
Josefi kinnt u d’Åustazeit,
wåu d‘ Ziegla lustigh springa
u d’Vüagherla va weit, weit hear,

vo Tol u Teich, va Sånd u Mear,
an Fröihling wieda bringa.

Otto Zerlik
(*4. Jänner 1907 in Uittwa bei Tepl, † 24. April 1989 in Geislingen an der Steige)

[gfröist = gefriert, Josefi = Josefstag (19. März), Åustazeit = Osterzeit, Vüagherla = Vögelchen ]

Quelle:
Das Egerland erzählt. Helmut Preußler Verlag, Nürnberg


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Film: Die Egerländer … was ist aus ihnen geworden? (Dokumentation)

Es gibt ganz aktuell einen neuen Film über die Egerländer – frei verfügbar im Internet.

Ein sehr guter Film, der Vieles anspricht – in sehr konstruktiver Weise.

Verfügbar auf Deutsch und auf Tschechisch.

Unbedingt sehenswert!!!

Der offizielle  Hinweistext (Zitat):

„Die Egerländer – wo sind sie heute – was ist aus ihnen geworden?

Bald wird es keine Zeitzeugen mehr geben, deshalb entstand dieser Film.
In dieser Dokumentation wurde alles was die Egerländer ausmacht filmisch festgehalten: ihre Tracht, ihre Musik, ihre Instrumente und Tänze, ihre Sprache – eben die gesamte Egerländer Kultur!
Es wurden Personen sowohl der Erlebnis- als auch der Bekenntnisgeneration – auch Personen interviewt, die in ihrer alten Heimat Egerland, der heutigen tschechischen Republik, verblieben sind und hier die deutsche Minderheit ausmachen.
Hauptanliegen war es, ein zeitgeschichtliches Dokument zu erstellen für die junge Generation beider Länder.
Es wurde ganz bewußt versucht, politische Zustände der damaligen Zeit auszuklammeren und die persönliche Meinung der Interviewpartner in den Mittelpunkt zu stellen.
Das erklärte Ziel war es, durch diese Dokumentation einen bewußten Beitrag zur noch intensiveren Verständigung zukünftig zwischen den betroffenen Ländern zu leisten.

Quellen:
Internet:
Die Egerländer … was ist aus ihnen geworden? (Startseite)

Direktverknüpfungen:
Die Egerländer … was ist aus ihnen geworden? (Dokumentation)
Die Egerländer … co se s nimi stalo? (documentace) Historické město a kraj Cheb

 

Eckkastenkrippe_Egerland_Petschau_Forstmeisterei_selbstgeschnitzt_ca_1880_www.egerland.wordpress.com


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Bräuche im Egerland: Dreikönigstag 6. Januar

Bis zum Jahr 1690 war in großen Teilen Europas der Jahreswechsel am 6. Januar. Ab dem Jahr 1691 verlegte Papst Innozenz Xll. den Neujahrstag auf den 1. Januar. Dies galt natürlich auch für das Egerland – und es erklärt, weshalb sich hier einige Bräuche, die ansonsten auch für Neujahr gelten, am 6. Januar erhalten haben. Daher hieß der 6. Januar, in manchen Regionen des Egerlandes auch „s‘ Håuch nei Gåu(h)a“, das „hohe Neujahr“

In früherer Zeit traten auch am Dreikönigstag die Gellerer auf, wie sie bereits für den Jahreswechsel im Egerland beschrieben wurden. Bereits in vorchristlicher, germanischer Zeit gab es den Brauch, dass der Hausherr zum Jahreswechsel mit einer Räucherpfanne durch sein Anwesen ging, dabei Zauberformeln aufsagte und Heilzeichen zur Abwehr von Dämonen anbrachte. Dieser Brauch war noch im Mittelalter in Deutschland weit verbreitet. Weihrauch am Dreikönigstag und das Anbringen von Kreuzen und der Segensformel „C M B“ (Christus Mansionem Benedicat = Christus segnet dieses Haus) mit geweihter Kreide am Hauseingang, werden in Zusammenhang damit gesehen.

Auch im Egerland zogen die Sternsinger zur Erinnerung an die Heiligen Drei Könige von Haus zu Haus. Ein altes weißes Männerhemd konnte dabei als Soutane dienen, eine weiße Tüte die edle Kopfbedeckung ersetzen. Einer hatte ein rußgeschwärztes Gesicht und einer hielt einen Stab mit einem Stern darauf, der sich während des Vortrags mittels einer einfachen Rolle in Drehbewegungen versetzen ließ.

„Die heilinga drei Könich mit ihrem Stern,
Sie kommen zu enk aus weiter Fern,
Und suchen das neugeborene Kind,
Der Stern am Himmel hat’s verkündt.
Der Kåspa kommt aus dem Inderland,
Der Melcha haust im Wüstensand,
Der Bålza ist noch viel weiter her,
Saa(n‘ Land liegt an dem großen Meer.
Wir sind seit langem schon auf den Füßen,
Und wollen den neuen Heiland grüßen.
Er bringt enk Gottes Segen ins Haus,
Wir betn uns eine Gabe aus.“
[betn = bitten]

Eine andere Fassung aus der Wildsteiner Gegend:

„Die halninga drei Könich mit ihran Stern,
Sie lobm heint Gott und preisn den Herrn!
Mir zogen wohl über den Berg hinaus,
Herodes schaut zum Fenster heraus.
Herodes sprach mit trotzigem Sinn,
Wo wollen die halinga drei Weisen hin?

Nach Bethlehem steht unser Sinn!

Dirt’s halinga drei Manna bleibts af d’Nåcht ba mir,
Ich will enk geben Wein und Bier.
Ich will enk geben Stroh und Heu,
Ich will enk halten zehrungsfrei.

Mir zogen über den Berg hinaus,
Der Stern stand fest über einem Haus.
Mit gänga in dees Haus hinein,
Uu finna as Kinnerl im Krippelein.
Mir fålln glei(ch nieda auf unsre Knie,
Und bringa dem Kind unsere Opfer hi(n‘:
Weihrauch, Myrrthn und rotes Gold,
Das dem Kind gehören sollt.“

Dann sprach der „Mohr“:

„Ich bin der Schwarze, der Mohr genannt,
Ich trag die Schüssel auf meiner Hand;
Drum gebt mir was in die Schüssel hinein,
Damit ich kann zufrieden sein!“ 

Und abschließend alle drei gemeinsam:

„Habt Dank, habt Dank, für eure Ga(b)m,
Die wir von euch empfangen ha(b)m!
Habt Dank, habt Dank, habt Dank!“

Im Anschluss wurde die bekannte Formel an Türen und Toren des Wohngebäudes mit Kreide angebracht, manchmal auch an den Stallgebäuden oder auch am Taubenhaus. Die Kreide war am Tage im Rahmen der „Wasserweihe“ geheiligt worden, bei der zudem auch in manchen Teilen Salz, Zwiebeln und Knoblauch geweiht worden waren. Die geweihten Zwiebeln bzw. der geweihte Knoblauch wurden in der Nähe der Tür aufgehängt, damit sie böse Geister am Eintreten hinderten. Hingen die geweihten Zwiebeln oder der Knoblauch beim Ofen, so boten sie Schutz gegen Zauberei und Verhexung und zogen Krankheiten auf sich.

Geweihtes Salz und geweihtes Wasser vom Dreikönigstag halfen Hexen fernzuhalten, z.B. indem sie beim Buttern mit ins Butterfass gegeben wurden, zudem unterstützten sie die Haltbarkeit, da diesem Wasser nachgesagt wurde, dass es sich sieben Jahre oder länger halten sollte, ohne schlecht zu werden. Außerdem dienten sie als Zusätze bei der Nahrung, z.B. bei Tieren im „Trånka“ oder im „G‘leck“ (vgl. Bräuche im Egerland: Heiligabend) und bei Menschen sollten sie Fieber und Halsschmerzen heilen.

Auch in den Wohnstuben gab es Weihwasser, mit dem man sich benetzen konnte, an der Wand in einer besonderen Schale aus Porzellan oder Zinn.

Haustiere wurden bei Verkäufen oder bei Käufen mit Weihwasser besprengt, insbesondere, wenn sie das erste Mal auf den Hof kamen.

Am Dreikönigstag besprengte der Bauer den Hof und die Gebäudeteile mit dem frisch geweihten Weihwasser, später auch die Felder.

Am Abend des Dreikönigtags tranken die Egerländer gemeinsam im Wirtshaus „d‘ Störk“, also auf die „Stärke“ – für das kommende Arbeitsjahr.

Literatur
Buch:
Eger und das Egerland – Volkskunst und Brauchtum, Hrsg. L. Schreiner, Verlag Langen Müller, ISBN: 3-7844-2178-4