Egerland

Land, Leute und Kultur


Ein Kommentar

Weihnåchtn (Gedicht von Josef Urban)

Weihnåchtn

Stöllts wieda-r af an Zuckabam
in Stubm u Stüwlan, nu(ch sua kloa(n,
dass jedas aa dean söißn Tra(u)m
van Christkind wieda traama koa(n. 

Hängts droa(n aa recht vül Zuckazeigh,
af d Spitz a goldas Engarl möißt
u Kiarzla solln af jedan Zweigh
a Englhåua, wos schäi(n glöißt. 

Drahts s Stubmlöicht o(b, zünds d Kiarzla-r oa(n,
vagessts, wos druckt u wo(s)‘ts scho(n gli(tt)n,
måchts d Herzn weit af, gråuß u kloa(n
füar d Weihnåchtsfreid, füarn Weihnåchtsfrie(d)n. 

Josef Urban (da „Geigha“-Pepp)
(* 09.05.1891 Sandau [zwischen Eger und Marienbad], † 14.01.1961 Limburg / Lahn)

Quelle:
Puppm – Egerländer Mundartgedichte
von Josef Urban

Egerland.wordpress.com_Vinzenzi2016


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27. – 28. August 2016: 65. Vinzenzifest mit 42. Egerländer Landestreffen Baden-Württemberg in Wendlingen am Neckar

Der letzte Sonntag im August – Birnsunnta is scho wieder! Das Egerländer Erntedankfest.
Das 1. Vinzenzifest wurde am 6. Dezember 1693 in Eger gefeiert, also vor 323 Jahren.
Seit 1694 feiern die Egerländer ihr Vinzenzifest alljährlich am letzten Sonntag im August, als Erntedankfest.
Birnen gab es damals reichlich und sie gaben diesem besonderen Tag und diesem Brauch seinen besonderen Namen: Birnsunnta (Birnensonntag). Auch heute noch werden sie nach dem Gottesdienst verteilt.
Seit 1952 lebt diese Jahrhunderte alte Tradition der Egerländern in Wendlingen am Neckar weiter, als Fest für Egerländer und Nicht-Egerländer.
Egerländer und Egerländerinnen zeigen sich in ihrer Tracht, bei Tänzen, bei der Vinzenziprozession, beim Festgottesdienst und beim Ernte- und Trachtenfestumzug.
Teilnehmer und Besucher haben Freude daran, auf diese Art Egerländer Kultur zu leben und diese mit Alt und Jung zu feiern.

Das Programm und ausführliche Hintergründe des Vinzenzifestes stehen auf der Internet-Seite „Vinzenzifest.de“ (Verknüpfung s.u.)
Eine kleine Zusammenfassung hatte ich schon einmal früher dazu geschrieben.

Eghalanda kummts åll!

Und natürlich auch alle interessierten und befreundeten Nicht-Egerländer!

 

Weitere Informationen
Internet:
Die Hauptseite: Vinzenzifest.de
Egerländer Vinzenzifest 2016 – das Programm
Übersichtsplan und Festgelände

Egerland.wordpress.com_Eger_Taubenschwanz_Bluete


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Gedicht: Pfingsten (Otto Zerlik)

Pfingsten (Otto Zerlik)

Oa(n jedern Eck, oa(n jedern End,
blöiht hellaf, wos no blöiha koa(n.
Sua månchers Kinnerl håut sei(n Händ
voll Bläimla, wos daschleppm koa(n.
Es stolpert låchat månchern Schriet;
sei(n Äugla blöihn grod schöia mit. 

In jedra Stau(d)n, in jedan Baam
is Lebm, åls wa(r a Håuchzatstogh,
am Stodlfirst, am Gartnzaam,
am Giewlsims, in Taubmschlogh.
Du toust koin unbesungna Schriet,
låu(ß d’Surgn dahoim, sing mit, sing mit. 

Låch mit! Zan Gåmmern is koa(n Zeit.
Dös Blöiha håut da Herrgott bstöllt.
Gi(b åcht, dass niat va latta Freud,
a Kinnerl diar za Föißn föllt. 

U sing! U singst aa no gånz stüll;
an jedan gült dös Glück, döi Freud!
Dös is, wos in da Fröihlingszeit
da Herrgott jedern schenkn wüll. 

Otto Zerlik
(*4. Jänner 1907 in Uittwa bei Tepl, † 24. April 1989 in Geislingen an der Steige)

[Håuchzatstogh = Hochzeitstag, Stodlfirst = Scheunendach (obere Kante, Dachfirst),  Gartnzaam = Gartenzaun, Giewlsims = Sims im Bereich des Dachgiebels, Taubmschlogh = Taubenschlag, Gåmmern = Jammern, Föiß = Füße]

Quelle:
Das Egerland erzählt. Helmut Preußler Verlag, Nürnberg


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Der letzte Sonntag im August: Egerer Birnsunnta und Vinzenzifest

Am 6. Dezember 1693 wurden die Reliquien des Heiligen Vinzentius  in die Stadtkirche von Eger – St. Nikolaus – überführt. Papst Alexander VIII. hatte im Jahre 1689 die Gebeine des in der römischen Kaiserzeit hingerichteten Märtyrers Vinzentius dem Kardinal Johann Leopold Graf von Kolonitsch überlassen, welcher sie zunächst nach Wien überführt hatte und nun, im Jahre 1693 zum Namenstag des Kirchenheiligen, der Stadt Eger eine Kopfreliquie vermachte. Seit 1691 war Innozenz XII. der neue Papst, er gewährte zur Feier dieses Tages einen vollkommenen Ablass.
Von 1694 an wurde das Vinzenzifest in Eger immer als Erntedank am letzten Sonntag im August gefeiert. Auch Goethe besuchte mehrmals dieses Fest und erwähnte es in seinen Tagebüchern aus den Jahren 1821 und 1822.
Nach der kirchlichen Prozession spielten hier Birnen als Zeichen des Erntedanks eine besondere Rolle, sie wurden in großer Zahl auf dem Markt feilgeboten und führten zu dem Beinamen „Birnsunnta“ (Birnensonntag).

Nach der Vertreibung der Egerländer wurde das Vinzenzifest bzw. der Birnsunnta ab 1949 in Schirnding und seit 1951 in Wendlingen am Neckar gefeiert.
1978 wurden in Wendlingen  nach dem Gottesdienst wieder Birnen an die Festgäste verteilt, und so der alte Egerer Brauch des „Birnsunnta“ wiederbelebt.
Zum 30. Vinzenzifest in Wendlingen am Neckar wurde 1981 eine Teilreliquie de Hl. Vinzentius aus Wien in einen Seitenaltar der dortigen St. Kolumban-Kirche verbracht.
Jahr für Jahr ist das Vinzenzifest in Wendlingen am Neckar ein großes Fest der Egerländer und anderer Volksgruppen, die sich zu diesem traditionellen Fest treffen und gemeinsam feiern.
Auch dieses Jahr findet das Vinzenzifest in Schirnding und in Wendlingen wieder statt!

Termine 2014:
Vom Freitag 29. – Sonntag 31. August 2014 wird in Wendlingen gefeiert: das 63. Vinzenzifest verbunden mit dem 40. Egerländer Landestreffen und dem 80. Gautrachtentreffen des Südwestdeutschen Gauverbandes der Heimat- und Trachtenvereine.
Am Samstag, 30. August 2014 findet ab 10:30 Uhr ein Erntedankgottesdienst in Liebenstein (heute: Liba) in der Kirche St. Katharina statt – weitere Informationen s.u.

Weitere Informationen
Internet:

Vinzenzifest in Wendlingen (29.-31. August 2014)
Programm Vinzenzifest in Wendlingen am Neckar
Sudetenpost (–> S.4)
Feste im Egerland (S. 2 bzw. „91“)

Buch:
Eger und das Egerland – Volkskunst und Brauchtum, Hrsg. L. Schreiner, Verlag Langen Müller, ISBN: 3-7844-2178-4

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Bräuche im Egerland: Dreikönigstag 6. Januar

Bis zum Jahr 1690 war in großen Teilen Europas der Jahreswechsel am 6. Januar. Ab dem Jahr 1691 verlegte Papst Innozenz Xll. den Neujahrstag auf den 1. Januar. Dies galt natürlich auch für das Egerland – und es erklärt, weshalb sich hier einige Bräuche, die ansonsten auch für Neujahr gelten, am 6. Januar erhalten haben. Daher hieß der 6. Januar, in manchen Regionen des Egerlandes auch „s‘ Håuch nei Gåu(h)a“, das „hohe Neujahr“

In früherer Zeit traten auch am Dreikönigstag die Gellerer auf, wie sie bereits für den Jahreswechsel im Egerland beschrieben wurden. Bereits in vorchristlicher, germanischer Zeit gab es den Brauch, dass der Hausherr zum Jahreswechsel mit einer Räucherpfanne durch sein Anwesen ging, dabei Zauberformeln aufsagte und Heilzeichen zur Abwehr von Dämonen anbrachte. Dieser Brauch war noch im Mittelalter in Deutschland weit verbreitet. Weihrauch am Dreikönigstag und das Anbringen von Kreuzen und der Segensformel „C M B“ (Christus Mansionem Benedicat = Christus segnet dieses Haus) mit geweihter Kreide am Hauseingang, werden in Zusammenhang damit gesehen.

Auch im Egerland zogen die Sternsinger zur Erinnerung an die Heiligen Drei Könige von Haus zu Haus. Ein altes weißes Männerhemd konnte dabei als Soutane dienen, eine weiße Tüte die edle Kopfbedeckung ersetzen. Einer hatte ein rußgeschwärztes Gesicht und einer hielt einen Stab mit einem Stern darauf, der sich während des Vortrags mittels einer einfachen Rolle in Drehbewegungen versetzen ließ.

„Die heilinga drei Könich mit ihrem Stern,
Sie kommen zu enk aus weiter Fern,
Und suchen das neugeborene Kind,
Der Stern am Himmel hat’s verkündt.
Der Kåspa kommt aus dem Inderland,
Der Melcha haust im Wüstensand,
Der Bålza ist noch viel weiter her,
Saa(n‘ Land liegt an dem großen Meer.
Wir sind seit langem schon auf den Füßen,
Und wollen den neuen Heiland grüßen.
Er bringt enk Gottes Segen ins Haus,
Wir betn uns eine Gabe aus.“
[betn = bitten]

Eine andere Fassung aus der Wildsteiner Gegend:

„Die halninga drei Könich mit ihran Stern,
Sie lobm heint Gott und preisn den Herrn!
Mir zogen wohl über den Berg hinaus,
Herodes schaut zum Fenster heraus.
Herodes sprach mit trotzigem Sinn,
Wo wollen die halinga drei Weisen hin?

Nach Bethlehem steht unser Sinn!

Dirt’s halinga drei Manna bleibts af d’Nåcht ba mir,
Ich will enk geben Wein und Bier.
Ich will enk geben Stroh und Heu,
Ich will enk halten zehrungsfrei.

Mir zogen über den Berg hinaus,
Der Stern stand fest über einem Haus.
Mit gänga in dees Haus hinein,
Uu finna as Kinnerl im Krippelein.
Mir fålln glei(ch nieda auf unsre Knie,
Und bringa dem Kind unsere Opfer hi(n‘:
Weihrauch, Myrrthn und rotes Gold,
Das dem Kind gehören sollt.“

Dann sprach der „Mohr“:

„Ich bin der Schwarze, der Mohr genannt,
Ich trag die Schüssel auf meiner Hand;
Drum gebt mir was in die Schüssel hinein,
Damit ich kann zufrieden sein!“ 

Und abschließend alle drei gemeinsam:

„Habt Dank, habt Dank, für eure Ga(b)m,
Die wir von euch empfangen ha(b)m!
Habt Dank, habt Dank, habt Dank!“

Im Anschluss wurde die bekannte Formel an Türen und Toren des Wohngebäudes mit Kreide angebracht, manchmal auch an den Stallgebäuden oder auch am Taubenhaus. Die Kreide war am Tage im Rahmen der „Wasserweihe“ geheiligt worden, bei der zudem auch in manchen Teilen Salz, Zwiebeln und Knoblauch geweiht worden waren. Die geweihten Zwiebeln bzw. der geweihte Knoblauch wurden in der Nähe der Tür aufgehängt, damit sie böse Geister am Eintreten hinderten. Hingen die geweihten Zwiebeln oder der Knoblauch beim Ofen, so boten sie Schutz gegen Zauberei und Verhexung und zogen Krankheiten auf sich.

Geweihtes Salz und geweihtes Wasser vom Dreikönigstag halfen Hexen fernzuhalten, z.B. indem sie beim Buttern mit ins Butterfass gegeben wurden, zudem unterstützten sie die Haltbarkeit, da diesem Wasser nachgesagt wurde, dass es sich sieben Jahre oder länger halten sollte, ohne schlecht zu werden. Außerdem dienten sie als Zusätze bei der Nahrung, z.B. bei Tieren im „Trånka“ oder im „G‘leck“ (vgl. Bräuche im Egerland: Heiligabend) und bei Menschen sollten sie Fieber und Halsschmerzen heilen.

Auch in den Wohnstuben gab es Weihwasser, mit dem man sich benetzen konnte, an der Wand in einer besonderen Schale aus Porzellan oder Zinn.

Haustiere wurden bei Verkäufen oder bei Käufen mit Weihwasser besprengt, insbesondere, wenn sie das erste Mal auf den Hof kamen.

Am Dreikönigstag besprengte der Bauer den Hof und die Gebäudeteile mit dem frisch geweihten Weihwasser, später auch die Felder.

Am Abend des Dreikönigtags tranken die Egerländer gemeinsam im Wirtshaus „d‘ Störk“, also auf die „Stärke“ – für das kommende Arbeitsjahr.

Literatur
Buch:
Eger und das Egerland – Volkskunst und Brauchtum, Hrsg. L. Schreiner, Verlag Langen Müller, ISBN: 3-7844-2178-4

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Bräuche im Egerland: Heiliger Abend und Weihnachten

Mit dem Heiligen Abend war auch im Egerland die Vorweihnachtszeit vorbei, endlich war Weihnachten!

In der bäuerlichen Kultur des Egerlandes gab es eine Reihe von Bräuchen, die eng mit der Landwirtschaft verbunden waren. Dabei gab es nicht nur die großen Bauernhöfe.
Der Großteil der Bevölkerung des Egerlandes lebte in Dörfern über das Land verteilt, das die Egerländer dereinst gerodet und urbar gemacht hatten, wo sie ihre Häuser und Höfe erbaut hatten.
Insofern hielt dort fast jeder als zusätzliche Nahrungs- und Einkommensquelle ein paar Tiere, und waren es nur ein paar Stallhasen, Hühner, Gänse, Ziegen oder auch ein, zwei Kühe oder Schweine. Solch ein Schwein wurde dann z.B. nach dem Mästen verkauft, um Geld für weitere Anschaffungen zu haben, auch wenn sich die Familie selbst öfter einmal einen guten Braten gewünscht hätte!
Außerdem bewirtschafteten viele, auch „nebenher“, ein mehr oder weniger großes Stück Land, das konnten der Hausgarten, oder auch ein oder mehrere Felder sein.

Am Heiligen Abend (24. Dezember) galt die Aufmerksamkeit daher zunächst den Tieren. Vor dem gemeinsamen Mahl der Familie bekamen die Tiere das sog. „G’leck“, eine Mischung aus Hafer, Kleie und Salz, und häufig auch Äpfeln und Nüssen. Wurde dies vom Großknecht oder der Großmagd verfüttert, so geschah dies mit den Worten: „Dåu schickt enk da Baua aa woos von Halinga Åum(b)d!

Die Hausherrin kümmerte sich in der Regel um die Vorbereitung des Festmahles. Außerdem hatte sie noch darauf zu achten, dass keine nasse Wäsche mehr auf der Leine hinge, denn das brächte Unglück.
Die Anzahl der Gäste sollte eine gerade Zahl sein, um Unglück zu vermeiden. Die Hausfrau sollte auch vom Tisch möglichst nicht aufstehen oder unnötig umhergehen, da sonst die Hennen nur wenige Eier legen und auch schlecht brüten würden.

Das Festmahl am Heiligen Abend bestand im südlichen Egerland oft aus einem Weihnachtskarpfen, der aus Teichen der Region stammte, die u.a. der Fischzucht dienten und im Winter abgelassen wurden.
Im Norden des Egerlandes gab es, wie z.B. auch im benachbarten Erzgebirge und Vogtland, den Brauch des „Neunerlei“, d.h. neun verschiedenen Speisen, von denen jede eine bestimmte Bedeutung hatte. Im Egerland bestand dies aus mindestens Fisch, Geselchtem (Rauchfleisch), Knödel, Weihnachtssemmel, Äpfel, Nüssen, Zwetschgen, Kaffee, Hutzel und Spalken(gedörrte Birnen), deren Kerne aufbewahrt wurden, um später als Heilmittel gegen verschiedene Krankheiten zu dienen.
Als Abschluss des Mahles am Heiligen Abend wurde  im Egerland vom Hausherrn ein Apfel geteilt, wobei die Anzahl der Stücke, der Zahl der anwesenden Gäste entsprach. Wurde dabei ein Kern durchgeschnitten, bedeutete dies, dass es einen Todesfall geben würde. Es gab im Egerland auch den Brauch, beim Verteilen der Stückchen sinngemäß zu sagen, falls man sich einmal verirren sollte, dann brauche man sich nur an dieses Stück gegessenen Heiligabendapfel erinnern, um wieder den richtigen Weg zu finden.

Nach dem Mahl wurden Speisereste in den Garten gebracht und damit die Bäume „gefüttert“, damit auch diese wussten, dass Heiliger Abend ist und im nächsten Jahr reichlich trugen. Die Bauern machten das Gleiche dereinst auf den Feldern.

Im Kaiserwald, bei Karlsbad und im Erzgebirge schüttete man Essensreste in die Stauden, damit der „Zempa“ oder „Zempara“ etwas zu essen habe. Der „Zempa(ra)“ war ein besonderer Geist des Egerlandes. Er wird allerdings unterschiedlich beschrieben. Einerseits, wie in einem vorigen Beitrag, als Begleiter des Heiligen Nikolaus, mit Hörnern und einer langen Zunge. An anderer Stelle beschreibt man ihn als männliche Gestalt in weißem Gewand mit langem Spechtschnabel vor der Nase, Sichel und Messer wetzend. Manche mussten sich beim „Füttern“ der Bäume sehr fürchten, hieß es doch, dass ihnen dabei der „Zempa“ oder auch die „Sperte“, besonders wenn sie das Jahr über recht unfolgsam gewesen waren, den Bauch aufschlitzen und die Gedärme an den Zaun hängen würden. Andererseits durften die Egerländer, wenn sie am Heiligabend mit den Essensresten „den Zempara föitern“, im Folgejahr auf reiche Ernte hoffen.
Wenn ein Mädchen den Bäumen das Speiseopfer brachte, niederkniete und betete, und dann horchte, aus welcher Richtung Hundegebell kam, sollte sie auch wissen, wer ihr Künftiger sei, bzw. woher er komme.
Eine bekannte Bauernregel half den Ernteertrag des kommenden Jahres einzuschätzen:
„Christnacht viel Stern – viel Erdäpfel!“

1. Weihnachtsfeiertag (25. Dezember)
Der 1. Weihnachtsfeiertag war der höchste und größte Feiertag der ganzen Weihnachtsfeiertage.
Sehr früh, möglichst noch, bevor die anderen aufgestanden waren, machten sich die Burschen auf den Weg zu Mädchen aus ihrem Bekanntenkreis. Dabei hatten sie Barbarazweige, also Zweige z.B. von Birken- oder Kirschenbäumen, geschnitten am Barbaratag (4. Dezember), die nun ergrünt waren, manchmal zusätzlich verziert mit roten Bändern oder grünen Seidenschleifen. Dies hatten sie dabei, um das auserkorene Mädchen damit auf Schultern, Rücken, und auch die entblößten Beine und Schenkel zu „peitschen“ während sie dabei einen der folgenden Sprüche aufsagten.
„Gråun, gråun,
üm-r-a gouts Peitschalåuhn“

„Frische, frische Krone,
ich peitsche nicht um Lohne;

ich peitsche nur aus Höflichkeit,
dir und mir zur Gesundheit!“ 

„Hupf wöi a Haas’l,
gråun wöi a Graas’l,
schloa-r-aas wöi a Felwastuak,
röich wöi a ålta Zieg’nbuak!“ 

“Schmeckt da Pfeffa gout,
wüllst di(ch läis’n?” 

Das „Läis’n“, also das „Lösen“, konnte dann erfolgen, indem das Mädchen dem auspeitschenden Burschen ein Stück Kuchen, eine Weihnachtssemmel, Eier, Schnaps oder auch manchmal Geld geben mussten.
Von den derart erkorenen Mädchen, Hausfrauen, oder auch dem weiblichen Gesinde, wurde diese Art der Behandlung als Ehre verstanden, zudem versprach dies auch Gesundheit, Glück und Segen. Dahinter stand die Vorstellung, dass sich die besonderen Kräfte der Rute, wie sie sich auch durch das Wort „gråuna“ ausdrücken, was „aufleben“ und „gedeihen“ bedeutet, dabei auf die Geschlagene übertragen.
Am 25. Dezember besuchten sich im Egerland üblicherweise Verwandte und Nachbarn und wünschten sich „glückselige Feiertage“. Nachmittags besuchten die Taufpaten, die „Tua(d)n“ ihre Patenkinder und brachten ihnen kleinere Geschenke.

2. Weihnachtsfeiertag (26. Dezember)
Am Tag des Heiligen Stefan erfolgten im Egerland wie bereits am Vortag Verwandtenbesuche, und Paten besuchten ihre Patenkinder mit Geschenken. Da der Heilige Stefan auch Patron der Pferde war, wurden an diesem Tag im Egerland die Pferde mit Bändern und anderem Schmuck ganz besonders herausgeputzt, dann mit ihnen der Stefansritt vollzogen, d.h. eine Kirche oder Kapelle umritten, und anschließend wurden sie kirchlich geweiht.

28. Dezember – Tag der unschuldigen Kinder
Der „Unschuldi Kinn’ltooch“ bildete im Egerland den Abschluss der Weihnachtsfeiertage.
Auch an diesem Tag fand das oben beschrieben „Auspeitschen“ statt.
Um Unglück zu vermeiden, wurde auch an diesem Tag nicht oder möglichst wenig gearbeitet.

Literatur / Quellen:
Buch:
Eger und das Egerland – Volkskunst und Brauchtum, Hrsg. L. Schreiner, Verlag Langen Müller, ISBN: 3-7844-2178-4

Zeitschrift / Periodicum (4 pro Jahr):
„Stimmen von Sandau“: „Der Heiligabendapfel“ (4/2013, 64. Jahrgang, S. 20f., Hrsg. und Abonnement Josef Plahl, Weilburg) 

Internet:
Neunerlei (Wikipedia)

Niklasbrunnen_1928_Eger_www.egerland.wordpress.com


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Bräuche im Egerland: Vorweihnachtszeit

Im Egerland gab es eine Reihe von Bräuchen, die in der Bevölkerung verbreitet waren.
Folgende Feiertage spielten in der Vorweihnachtszeit im Egerland eine besondere Rolle:

Barbara (4. Dezember)
Am Barbaratag schnitten Burschen und Mädchen Kirsch- oder Weichsel- (=Sauerkirsch-) Zweige und stellten sie zu Hause in der Nähe des Küchenofens in ein mit Wasser gefülltes Gefäß. So sollten sie bald grünen, bzw. in der Zeit bis Weihnachten ihre Blüten austreiben.
Diese Zweige waren dann ein schöner Schmuck.
Eine Verwendung war es, sie am Stefanstag (26. Dezember) und Neujahrstag zum „Peitschen“ zu benutzen (zu diesem Brauch mehr in einem späteren Beitrag).
Die Barbarazweige konnten auch helfen, in die Zukunft zu sehen: hatte ein heiratslustiges Mädchen sie in der Nacht und ohne eine ein Wort zu sprechen, heimgeholt und war dabei von niemandem angesprochen worden, so konnte sie die Zweige mit Namensschildern ihrer Verehrer versehen und darauf warten, welcher Zweig als erster grünt. Dieses Orakel sollte ihr somit verraten, welcher ihr Zukünftiger sein wird.

Nikolaus (6. Dezember)
Auch im Egerland war an diesem Tag der Nikolaus als Gabenspender unterwegs.
Sein Begleiter war im Egerland der „Krampus“, ein in Sackleinen gehüllter furchterregender Geselle, mit düsterem Gesicht und schrecklich mit seiner Kette rasselnd.
In anderen Regionen des Egerlandes war es der „Zempa“, ein Poltergeist mit langen Hörnern, furchteinflößender Kostümierung und heraushängender roter Zunge.
Der Nikolaus selbst trat in prunkvollem Bischofsornat auf. Gelegentlich konnte er offenbar auch in einem Bärenfell daherkommen, oder er trug statt der Mitra nur eine zerzauste Pelzmütze auf dem Kopf.

Mariä Empfängnis (8. Dezember)
An diesem Tag wurde die Empfängnis der Maria durch ihre Mutter Anna gefeiert.
Der 8. Dezember war im Egerland ein Ehrentag der Frau. Sie durfte an diesem Feiertag nicht arbeiten oder nähen, insbesondere mit keinem spitzen Gegenstand hantieren. Andernfalls könnte die „Weiße Frau“ erscheinen, und sie so lange erschrecken, bis sie mit der Arbeit aufhörte.

Lucia (13. Dezember)
Dieser Tag ist eigentlich der Gedenktag an die Heilige Lucia, einer Märtyrerin.
Im Egerland wurde dieser Tag offenbar als unterstützende Maßnahme bei der Kindererziehung genutzt: schon Tage vorher, insbesondere wenn Kinder unartig waren, wurde ihnen gedroht, dass an diesem Tag die „Lucia“ kommen würde, ihnen dann den Bauch aufschlitzen, dort glühende Ziegelsteine hineinlegen und dann den Bauch wieder zunähen würde, bevor sie wieder verschwände.

Thomas (21. Dezember)
Der Thomastag erinnert an den Apostel Thomas. Die Thomasnacht galt im Egerland als eine sog. „Losnacht“, die es nach dem Volksglauben ermöglichte, einen Blick in die Zukunft zu tun. Am 21. Dezember ist der Tag am kürzesten und die Nacht am längsten; es ist die Wintersonnenwende.
Ein Mädchen im Egerland, das wissen wollte, wer ihr zukünftiger Herzallerliebster sei, sollte dies erfahren können, wenn sie in der Thomasnacht gegen ihre Bettstatt trat und sich dabei an den Heiligen Thomas mit folgendem Gedicht wandte:
„Heilicha Thomas, ich bitt di(ch,
Bettstood ich tritt di(ch;
Herzallerliebster mein,
leg dich zu mir herein!“

Einer Sage nach soll in der Thomasnacht im Egerland Frau Holle umgegangen sein und gemeinsam mit ihren meist missgestalteten Begleiterinnen Frauen und Mägde mit Ruten gezüchtigt haben, wenn sie sie beim Spinnen antraf.

Literatur / Quellen:
Buch:
Eger und das Egerland – Volkskunst und Brauchtum, Hrsg. L. Schreiner, Verlag Langen Müller, ISBN: 3-7844-2178-4