Egerland

Land, Leute und Kultur

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27. – 28. August 2016: 65. Vinzenzifest mit 42. Egerländer Landestreffen Baden-Württemberg in Wendlingen am Neckar

Der letzte Sonntag im August – Birnsunnta is scho wieder! Das Egerländer Erntedankfest.
Das 1. Vinzenzifest wurde am 6. Dezember 1693 in Eger gefeiert, also vor 323 Jahren.
Seit 1694 feiern die Egerländer ihr Vinzenzifest alljährlich am letzten Sonntag im August, als Erntedankfest.
Birnen gab es damals reichlich und sie gaben diesem besonderen Tag und diesem Brauch seinen besonderen Namen: Birnsunnta (Birnensonntag). Auch heute noch werden sie nach dem Gottesdienst verteilt.
Seit 1952 lebt diese Jahrhunderte alte Tradition der Egerländern in Wendlingen am Neckar weiter, als Fest für Egerländer und Nicht-Egerländer.
Egerländer und Egerländerinnen zeigen sich in ihrer Tracht, bei Tänzen, bei der Vinzenziprozession, beim Festgottesdienst und beim Ernte- und Trachtenfestumzug.
Teilnehmer und Besucher haben Freude daran, auf diese Art Egerländer Kultur zu leben und diese mit Alt und Jung zu feiern.

Das Programm und ausführliche Hintergründe des Vinzenzifestes stehen auf der Internet-Seite „Vinzenzifest.de“ (Verknüpfung s.u.)
Eine kleine Zusammenfassung hatte ich schon einmal früher dazu geschrieben.

Eghalanda kummts åll!

Und natürlich auch alle interessierten und befreundeten Nicht-Egerländer!

 

Weitere Informationen
Internet:
Die Hauptseite: Vinzenzifest.de
Egerländer Vinzenzifest 2016 – das Programm
Übersichtsplan und Festgelände


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Der letzte Sonntag im August: Egerer Birnsunnta und Vinzenzifest

Am 6. Dezember 1693 wurden die Reliquien des Heiligen Vinzentius  in die Stadtkirche von Eger – St. Nikolaus – überführt. Papst Alexander VIII. hatte im Jahre 1689 die Gebeine des in der römischen Kaiserzeit hingerichteten Märtyrers Vinzentius dem Kardinal Johann Leopold Graf von Kolonitsch überlassen, welcher sie zunächst nach Wien überführt hatte und nun, im Jahre 1693 zum Namenstag des Kirchenheiligen, der Stadt Eger eine Kopfreliquie vermachte. Seit 1691 war Innozenz XII. der neue Papst, er gewährte zur Feier dieses Tages einen vollkommenen Ablass.
Von 1694 an wurde das Vinzenzifest in Eger immer als Erntedank am letzten Sonntag im August gefeiert. Auch Goethe besuchte mehrmals dieses Fest und erwähnte es in seinen Tagebüchern aus den Jahren 1821 und 1822.
Nach der kirchlichen Prozession spielten hier Birnen als Zeichen des Erntedanks eine besondere Rolle, sie wurden in großer Zahl auf dem Markt feilgeboten und führten zu dem Beinamen „Birnsunnta“ (Birnensonntag).

Nach der Vertreibung der Egerländer wurde das Vinzenzifest bzw. der Birnsunnta ab 1949 in Schirnding und seit 1951 in Wendlingen am Neckar gefeiert.
1978 wurden in Wendlingen  nach dem Gottesdienst wieder Birnen an die Festgäste verteilt, und so der alte Egerer Brauch des „Birnsunnta“ wiederbelebt.
Zum 30. Vinzenzifest in Wendlingen am Neckar wurde 1981 eine Teilreliquie de Hl. Vinzentius aus Wien in einen Seitenaltar der dortigen St. Kolumban-Kirche verbracht.
Jahr für Jahr ist das Vinzenzifest in Wendlingen am Neckar ein großes Fest der Egerländer und anderer Volksgruppen, die sich zu diesem traditionellen Fest treffen und gemeinsam feiern.
Auch dieses Jahr findet das Vinzenzifest in Schirnding und in Wendlingen wieder statt!

Termine 2014:
Vom Freitag 29. – Sonntag 31. August 2014 wird in Wendlingen gefeiert: das 63. Vinzenzifest verbunden mit dem 40. Egerländer Landestreffen und dem 80. Gautrachtentreffen des Südwestdeutschen Gauverbandes der Heimat- und Trachtenvereine.
Am Samstag, 30. August 2014 findet ab 10:30 Uhr ein Erntedankgottesdienst in Liebenstein (heute: Liba) in der Kirche St. Katharina statt – weitere Informationen s.u.

Weitere Informationen
Internet:

Vinzenzifest in Wendlingen (29.-31. August 2014)
Programm Vinzenzifest in Wendlingen am Neckar
Sudetenpost (–> S.4)
Feste im Egerland (S. 2 bzw. „91“)

Buch:
Eger und das Egerland – Volkskunst und Brauchtum, Hrsg. L. Schreiner, Verlag Langen Müller, ISBN: 3-7844-2178-4


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Film: Die Egerländer … was ist aus ihnen geworden? (Dokumentation)

Es gibt ganz aktuell einen neuen Film über die Egerländer – frei verfügbar im Internet.

Ein sehr guter Film, der Vieles anspricht – in sehr konstruktiver Weise.

Verfügbar auf Deutsch und auf Tschechisch.

Unbedingt sehenswert!!!

Der offizielle  Hinweistext (Zitat):

„Die Egerländer – wo sind sie heute – was ist aus ihnen geworden?

Bald wird es keine Zeitzeugen mehr geben, deshalb entstand dieser Film.
In dieser Dokumentation wurde alles was die Egerländer ausmacht filmisch festgehalten: ihre Tracht, ihre Musik, ihre Instrumente und Tänze, ihre Sprache – eben die gesamte Egerländer Kultur!
Es wurden Personen sowohl der Erlebnis- als auch der Bekenntnisgeneration – auch Personen interviewt, die in ihrer alten Heimat Egerland, der heutigen tschechischen Republik, verblieben sind und hier die deutsche Minderheit ausmachen.
Hauptanliegen war es, ein zeitgeschichtliches Dokument zu erstellen für die junge Generation beider Länder.
Es wurde ganz bewußt versucht, politische Zustände der damaligen Zeit auszuklammeren und die persönliche Meinung der Interviewpartner in den Mittelpunkt zu stellen.
Das erklärte Ziel war es, durch diese Dokumentation einen bewußten Beitrag zur noch intensiveren Verständigung zukünftig zwischen den betroffenen Ländern zu leisten.

Quellen:
Internet:
Die Egerländer … was ist aus ihnen geworden? (Startseite)

Direktverknüpfungen:
Die Egerländer … was ist aus ihnen geworden? (Dokumentation)
Die Egerländer … co se s nimi stalo? (documentace) Historické město a kraj Cheb

 

Eckkastenkrippe_Egerland_Petschau_Forstmeisterei_selbstgeschnitzt_ca_1880_www.egerland.wordpress.com


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Bräuche im Egerland: Dreikönigstag 6. Januar

Bis zum Jahr 1690 war in großen Teilen Europas der Jahreswechsel am 6. Januar. Ab dem Jahr 1691 verlegte Papst Innozenz Xll. den Neujahrstag auf den 1. Januar. Dies galt natürlich auch für das Egerland – und es erklärt, weshalb sich hier einige Bräuche, die ansonsten auch für Neujahr gelten, am 6. Januar erhalten haben. Daher hieß der 6. Januar, in manchen Regionen des Egerlandes auch „s‘ Håuch nei Gåu(h)a“, das „hohe Neujahr“

In früherer Zeit traten auch am Dreikönigstag die Gellerer auf, wie sie bereits für den Jahreswechsel im Egerland beschrieben wurden. Bereits in vorchristlicher, germanischer Zeit gab es den Brauch, dass der Hausherr zum Jahreswechsel mit einer Räucherpfanne durch sein Anwesen ging, dabei Zauberformeln aufsagte und Heilzeichen zur Abwehr von Dämonen anbrachte. Dieser Brauch war noch im Mittelalter in Deutschland weit verbreitet. Weihrauch am Dreikönigstag und das Anbringen von Kreuzen und der Segensformel „C M B“ (Christus Mansionem Benedicat = Christus segnet dieses Haus) mit geweihter Kreide am Hauseingang, werden in Zusammenhang damit gesehen.

Auch im Egerland zogen die Sternsinger zur Erinnerung an die Heiligen Drei Könige von Haus zu Haus. Ein altes weißes Männerhemd konnte dabei als Soutane dienen, eine weiße Tüte die edle Kopfbedeckung ersetzen. Einer hatte ein rußgeschwärztes Gesicht und einer hielt einen Stab mit einem Stern darauf, der sich während des Vortrags mittels einer einfachen Rolle in Drehbewegungen versetzen ließ.

„Die heilinga drei Könich mit ihrem Stern,
Sie kommen zu enk aus weiter Fern,
Und suchen das neugeborene Kind,
Der Stern am Himmel hat’s verkündt.
Der Kåspa kommt aus dem Inderland,
Der Melcha haust im Wüstensand,
Der Bålza ist noch viel weiter her,
Saa(n‘ Land liegt an dem großen Meer.
Wir sind seit langem schon auf den Füßen,
Und wollen den neuen Heiland grüßen.
Er bringt enk Gottes Segen ins Haus,
Wir betn uns eine Gabe aus.“
[betn = bitten]

Eine andere Fassung aus der Wildsteiner Gegend:

„Die halninga drei Könich mit ihran Stern,
Sie lobm heint Gott und preisn den Herrn!
Mir zogen wohl über den Berg hinaus,
Herodes schaut zum Fenster heraus.
Herodes sprach mit trotzigem Sinn,
Wo wollen die halinga drei Weisen hin?

Nach Bethlehem steht unser Sinn!

Dirt’s halinga drei Manna bleibts af d’Nåcht ba mir,
Ich will enk geben Wein und Bier.
Ich will enk geben Stroh und Heu,
Ich will enk halten zehrungsfrei.

Mir zogen über den Berg hinaus,
Der Stern stand fest über einem Haus.
Mit gänga in dees Haus hinein,
Uu finna as Kinnerl im Krippelein.
Mir fålln glei(ch nieda auf unsre Knie,
Und bringa dem Kind unsere Opfer hi(n‘:
Weihrauch, Myrrthn und rotes Gold,
Das dem Kind gehören sollt.“

Dann sprach der „Mohr“:

„Ich bin der Schwarze, der Mohr genannt,
Ich trag die Schüssel auf meiner Hand;
Drum gebt mir was in die Schüssel hinein,
Damit ich kann zufrieden sein!“ 

Und abschließend alle drei gemeinsam:

„Habt Dank, habt Dank, für eure Ga(b)m,
Die wir von euch empfangen ha(b)m!
Habt Dank, habt Dank, habt Dank!“

Im Anschluss wurde die bekannte Formel an Türen und Toren des Wohngebäudes mit Kreide angebracht, manchmal auch an den Stallgebäuden oder auch am Taubenhaus. Die Kreide war am Tage im Rahmen der „Wasserweihe“ geheiligt worden, bei der zudem auch in manchen Teilen Salz, Zwiebeln und Knoblauch geweiht worden waren. Die geweihten Zwiebeln bzw. der geweihte Knoblauch wurden in der Nähe der Tür aufgehängt, damit sie böse Geister am Eintreten hinderten. Hingen die geweihten Zwiebeln oder der Knoblauch beim Ofen, so boten sie Schutz gegen Zauberei und Verhexung und zogen Krankheiten auf sich.

Geweihtes Salz und geweihtes Wasser vom Dreikönigstag halfen Hexen fernzuhalten, z.B. indem sie beim Buttern mit ins Butterfass gegeben wurden, zudem unterstützten sie die Haltbarkeit, da diesem Wasser nachgesagt wurde, dass es sich sieben Jahre oder länger halten sollte, ohne schlecht zu werden. Außerdem dienten sie als Zusätze bei der Nahrung, z.B. bei Tieren im „Trånka“ oder im „G‘leck“ (vgl. Bräuche im Egerland: Heiligabend) und bei Menschen sollten sie Fieber und Halsschmerzen heilen.

Auch in den Wohnstuben gab es Weihwasser, mit dem man sich benetzen konnte, an der Wand in einer besonderen Schale aus Porzellan oder Zinn.

Haustiere wurden bei Verkäufen oder bei Käufen mit Weihwasser besprengt, insbesondere, wenn sie das erste Mal auf den Hof kamen.

Am Dreikönigstag besprengte der Bauer den Hof und die Gebäudeteile mit dem frisch geweihten Weihwasser, später auch die Felder.

Am Abend des Dreikönigtags tranken die Egerländer gemeinsam im Wirtshaus „d‘ Störk“, also auf die „Stärke“ – für das kommende Arbeitsjahr.

Literatur
Buch:
Eger und das Egerland – Volkskunst und Brauchtum, Hrsg. L. Schreiner, Verlag Langen Müller, ISBN: 3-7844-2178-4

Palitz (Palic) Kirche Kirchturm


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Koan Glöckerl klingt

Kürzlich stieß ich auf ein schönes egerländrisches Gedicht, das mich so sehr an die Bilder aus Palitz denken ließ, die ich in meinem letzten Beitrag gezeigt habe.

Koa(n Glöckerl klingt

Du gäihst durch’s Lånd
durch Föld und Wies
und spürst, dass ålls dåu ån(d)arscht is.

Da Wold is gräi(n,
aa’s Lercherl singt,-
owa(r in dir koa(n Glöckerl klingt.

D’Leut ria(d)n sua vül
in ihra Språuch;
aa‘s Greina steigt dir dåu hoch.

Und’s Herz is krånk,
groaß is sa(n Naot,
wal ma uns d‘Hoimat gnumma håut.

[Greina = Weinen]

Heike Huber (*1926 in Schönbach bei Eger)

Quelle:
Egerland – Landschaft und Menschen in der Dichtung. Hrsg.: Josef Suchy, Alfred Görgl, Otto Zerlitz. Verlag Langen Müller, 1984. ISBN: 3-7844-2013-3


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Das Egerland

Das Egerland ist eine alte Kulturlandschaft im Nord-Westen Böhmens.
Der Name des Flusses Eger geht auf seinen ursprünglich keltischen Namen Agara zurück.
Die Stadt Eger wurde erstmals 1061 als „Egire“ urkundlich erwähnt.
Die erste urkundliche Erwähnung des Egerlands als „Regio Egire“ stammt aus dem Jahr 1135. Durch Erbschaft kam das Egerland 1167 an Kaiser Friedrich Barbarossa aus dem Geschlecht der Staufer, die Burg von Eger wurde zur Kaiserpfalz ausgebaut, Eger wurde freie Reichsstadt.
Von einem späteren Besitzer, Kaiser Ludwig dem Bayer, wurde das Egerland 1322 an den König von Böhmen verpfändet, „bei Garantie der völligen Unabhängigkeit vom Königreich Böhmen“.
Die Menschen im Egerland lebten und entwickelten über viele Jahrhunderte eine eigene Kultur.
Nach dem 2. Weltkrieg wurde fast die komplette Bevölkerung aus dem Egerland vertrieben.
Viele Menschen haben Vorfahren aus dem Egerland – oft sind sie sich dessen nicht bewusst.

Das Egerland und seine Kultur sind Thema dieses Blogs.