Egerland

Land, Leute und Kultur


2 Kommentare

Der letzte Sonntag im August: Egerer Birnsunnta und Vinzenzifest

Am 6. Dezember 1693 wurden die Reliquien des Heiligen Vinzentius  in die Stadtkirche von Eger – St. Nikolaus – überführt. Papst Alexander VIII. hatte im Jahre 1689 die Gebeine des in der römischen Kaiserzeit hingerichteten Märtyrers Vinzentius dem Kardinal Johann Leopold Graf von Kolonitsch überlassen, welcher sie zunächst nach Wien überführt hatte und nun, im Jahre 1693 zum Namenstag des Kirchenheiligen, der Stadt Eger eine Kopfreliquie vermachte. Seit 1691 war Innozenz XII. der neue Papst, er gewährte zur Feier dieses Tages einen vollkommenen Ablass.
Von 1694 an wurde das Vinzenzifest in Eger immer als Erntedank am letzten Sonntag im August gefeiert. Auch Goethe besuchte mehrmals dieses Fest und erwähnte es in seinen Tagebüchern aus den Jahren 1821 und 1822.
Nach der kirchlichen Prozession spielten hier Birnen als Zeichen des Erntedanks eine besondere Rolle, sie wurden in großer Zahl auf dem Markt feilgeboten und führten zu dem Beinamen „Birnsunnta“ (Birnensonntag).

Nach der Vertreibung der Egerländer wurde das Vinzenzifest bzw. der Birnsunnta ab 1949 in Schirnding und seit 1951 in Wendlingen am Neckar gefeiert.
1978 wurden in Wendlingen  nach dem Gottesdienst wieder Birnen an die Festgäste verteilt, und so der alte Egerer Brauch des „Birnsunnta“ wiederbelebt.
Zum 30. Vinzenzifest in Wendlingen am Neckar wurde 1981 eine Teilreliquie de Hl. Vinzentius aus Wien in einen Seitenaltar der dortigen St. Kolumban-Kirche verbracht.
Jahr für Jahr ist das Vinzenzifest in Wendlingen am Neckar ein großes Fest der Egerländer und anderer Volksgruppen, die sich zu diesem traditionellen Fest treffen und gemeinsam feiern.
Auch dieses Jahr findet das Vinzenzifest in Schirnding und in Wendlingen wieder statt!

Termine 2014:
Vom Freitag 29. – Sonntag 31. August 2014 wird in Wendlingen gefeiert: das 63. Vinzenzifest verbunden mit dem 40. Egerländer Landestreffen und dem 80. Gautrachtentreffen des Südwestdeutschen Gauverbandes der Heimat- und Trachtenvereine.
Am Samstag, 30. August 2014 findet ab 10:30 Uhr ein Erntedankgottesdienst in Liebenstein (heute: Liba) in der Kirche St. Katharina statt – weitere Informationen s.u.

Weitere Informationen
Internet:

Vinzenzifest in Wendlingen (29.-31. August 2014)
Programm Vinzenzifest in Wendlingen am Neckar
Sudetenpost (–> S.4)
Feste im Egerland (S. 2 bzw. „91“)

Buch:
Eger und das Egerland – Volkskunst und Brauchtum, Hrsg. L. Schreiner, Verlag Langen Müller, ISBN: 3-7844-2178-4

Maiersgrün: Pfarrkirche St. Johannes der Täufer (Vysoka)

4 Kommentare

Maiersgrün wurde ca. im 13. Jahrhundert im Egerland am Fuße des Tillenberges (Dylen) gegründet und gehörte früher zu der östlich gelegenen Burg Königswart. Die Namensendung „-grün“ (egerländrisch: „gräi(n)“ ) deutet darauf hin, dass die ersten Siedler ursprünglich aus Franken stammten.
Im Jahre 1511 wurde in Maiersgrün bereits eine Kirche errichtet, als Filialkirche der Pfarrei Königswart. 1653 wurde eine neue Glocke angeschafft. 1662 erfolgte eine Bittprozession zur Kirche Maiersgrün. 1680 wurde die Kirche erneuert „Zur Geburt Johannes des Täufers“.  Bis 1756 gehörte Maiersgrün zur Pfarrei Bad Königswart. Danach war Maiersgrün eine eigenständige Pfarrei, zuständig auch für den Nachbarort Grafengrün (Haj) und das dortige Haus Nr. 19, das zu Lohhäuser (Slatina) gehörte. 1803 wurde der gotische Kirchenbau erweitert, die Inschrift am Türsturz des Haupteinganges lautet: „Exst (ructa)ecclesia est 1803, renov (eta) 1847“. 1855 ist die Renovierung des Daches durch den Maiersgrüner Zimmermann Balthasar Pichl dokumentiert mit 19000 Schindeln und 27000 geschmiedeten Nägeln. Die Orgel wird als Meisterwerk des Orgelbauers Ferdinand Helfer aus Tachau beschrieben. Im Kirchturm befanden sich 3 Glocken, die im Jahre 1928 erneuert worden waren, gekauft für 28000 Kronen beim Glockengießer Rudolf Perner in Budweis. Im Jahre 1930 gehörten 832 Katholiken zur Pfarrei Maiersgrün.
Am 24.09.1946 wurden die Bewohner vertrieben. Der Ort Maiersgrün wurde willkürlich umbenannt in Vysoka, später wurden fast alle Häuser zerstört, die Kirche verfiel und war Zerstörung und Plünderung preisgegeben. Nach 1968 wurden die zerbrochenen Fenster und Türen, sowie das Dach heraus- bzw. abgerissen.

Die Bürger von Maiersgrün hatten schon früher Beziehungen über den Tillenberg hinweg in das Gebiet der Fraisch gepflegt. Nach der Vertreibung wurde die dortige Stadt Neualbenreuth Patenstadt der ehemaligen Bewohner von Maiersgrün und Grafengrün. Hier fanden nun deren Heimat-Treffen statt. Messbuch und Kirchenschlüssel der Kirche St. Johannes der Täufer aus Maiersgrün befinden sich heute in der Pfarrkirche St. Laurentius in Neualbenreuth, in einer Seitenkapelle wurde eine geschnitzte Figur des Heiligen Johannes des Täufers gestiftet. In der Kapelle „Maria Frieden“ nahe beim Grenzlandturm steht der Weihwassserkessel aus der Kirche von Maiersgrün. In den Grenzlandheimatstuben des Heimatkreises Marienbad (Marktplatz 10 in Neualbenreuth) können sakrale Gegenstände aus der Kirche St. Johannes der Täufer und weiteres Heimatgut aus Maiersgrün und anderen Orten des Kreises Marienbad besichtigt werden.

Nach 1992 wurden der Kirchturm und die Außenmauern der Kirche St. Johannes der Täufer in Maiersgrün wieder erneuert. Im Juni 1992 wurde die neue Friedensglocke angeschafft. Seit 1993 finden jährlich Treffen der Maiersgrüner und Grafengrüner zum Johannisfest statt. 1994 wurde der Hauptaltar gemauert und das eiserne Heimatkreuz aufgerichtet, 1995 das Kaiserwaldkreuz angebracht. 1996 erfolgte die Wiederherstellung des gesamten Kirchturms. 1998 baute man die Sakristei aus zum Gedenken an die Toten, 1999 wurden die Seitenaltäre aufgemauert. Eine weitere Renovierung der Außenmauern erfolgte im Herbst 2013.
Die Kirche ist noch ohne Dach. Den Boden der Kirche bilden Rasen und Gänseblümchen. Dennoch finden wieder Gottesdienste statt. Jedes Jahr im Juni feiern hier ehemalige „Pfarrkinder“ das Patrozinium des Heiligen Johannes.

Und auch sonst lädt diese ganz besondere Kirche zum Besuch ein. In der Basis des Glockenturmes finden sich Gedenktafeln und Erinnerungen. Im Inneren der Kirchenmauern befinden sich verschiedene Kreuze, Gedenktafeln und eine Bank, die an diesem so besonderen Ort einlädt zum Nachdenken und zum Verweilen.

Weitere Informationen:
Internet:
Grenzlandheimatstuben des Heimatkreises Marienbad (Anmerkung: zwischenzeitlich ist eine direkte Verknüpfung auf  die Museumsseite nicht mehr möglich: nun auf „www.neualbenreuth.de“ oben „Tourismus“ wählen, dann links „Sehenswertes“, dort dann „Museen“; Stand 24.05.14)
Lohhäuser – das verschwundene Dorf
Die Fraisch

This gallery contains 10 photos


4 Kommentare

Maria Loreto bei Altkinsberg (Stary Hroznatov)

Jesuiten aus Eger hatten 1658 das Gut Kinsberg erworben; die vorher hier 1557 errichtete Heilig-Geist-Kirche war zerstört.
Am 19. Oktober 1664 legte der Tepler Abt Raimund I. Wilfert den Grundstein für die neue Wallfahrtsanlage. 1665 traf eine Kopie der Schwarzen Muttergottes aus Loreto (Italien) ein. 1668 waren die meisten Gebäude bereits vollendet. Die Wallfahrtskirche ist von den für böhmische Sakralbauten typischen gedeckten Ambiten umgeben, die das Gotteshaus umsäumen. In der Umgebung von Altkinsberg wurden 29 Pilgerstationen errichtet mit 23 Baulichkeiten. 127 Holzplastiken in den Kapellen stellten die biblische Geschichte anschaulich dar, Steinstatuen versinnbildlichten den Osterzyklus.
Die Pilger kamen in Prozessionen aus dem gesamten Egerland und aus angrenzenden Gebieten, wie der Oberpfalz,  mit bis zu 12000 Teilnehmern. In über 2 Stunden liefen sie singend und betend die Stationen des Kreuzwegs ab. Manche zogen später noch weiter nach Maria Kulm. Die meisten Pilger kamen am Bittsonntag (Rogate = 5. Sonntag nach Ostern,  „Großer Umgang“), an Christi Himmelfahrt („Kleiner Umgang“), in der Fastenzeit und am Gründonnerstag (Ölberg-Kapelle), an Sonntagen und an Fronleichnam. Um 1900 fanden jährlich ca. 25 Prozessionen statt.
An Ständen wurden kleine Andachtsbildchen der Lauretanischen Muttergottes und sonstige Andachtsgegenstände verkauft. Spezielle Mitbringsel, besonders für Kinder, waren sog. „Toler“, ein Gebäck aus Zuckerwasser und Mehl.
Die Pilger hatten nicht nur geistliche Bedürfnisse, wie der folgende, in Egerländer Mundart überlieferte Spruch zeigt:
„Heit gemma af Loretta,
in Palitz khaiama a(n),
dou essma a Wurscht u an Weckn,
u a Zepfl kroignma dra(n)“

Auch Johann Wolfgang von Goethe war in Maria Loreto zu Besuch, was er in seinen Tagebüchern festgehalten hat.

Nach der Vertreibung der Egerländer ab 1945 verfiel die gesamte Anlage, bzw. wurde mutwillig zerstört.
1992 wurde in Waldsassen der „Verein zur Erhaltung und Förderung der Wallfahrtskirche Maria Loreto in Altkinsberg, Egerland e.V.“ unter Leitung von Ing. Anton Hart gegründet. Der Initiative dieses Fördervereins ist es zu verdanken, dass die Ruinen von Maria Loreto heute wieder zu neuen Leben erweckt wurden. Die „Vorher-Nachher“-Bilder auf der Internetseite dieses Vereins (s.u.) lassen erkennen, welch große Aufgabe das war! Nur noch wenige Stationen des ehemaligen Pilgerweges sind erhalten, von den oben erwähnten Holzplastiken existieren nur noch einzelne, die Steinstatuen wurden im Bereich des alten (zerstörten) Friedhofs neu aufgestellt. 3 Glocken wurden neu angeschafft: Ave – Sanctus – Gloria.

Maria Loreto bei  Altkinsberg in der Nähe von Eger hat heute wieder eine wunderschöne und ergreifende Ausstrahlung!

Internet: 
http://www.maria-loreto.de/
http://www.sudeten-bayreuth.de/loreto_im_egerland.htm
http://home.arcor.de/oberpfalz-nord/marialoreto.htm
http://www.sabines-kaleidoskop.de/MariaLoreto.htm
Das Glockenläuten:  
http://www.youtube.com/watch?v=uapQjerLtRE (gibt es beim Förderverein auch auf CD)

Buch:
Eger und das Egerland – Volkskunst und Brauchtum, Hrsg. L. Schreiner, Verlag Langen Müller, ISBN: 3-7844-2178-4