Egerland

Land, Leute und Kultur

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Bräuche im Egerland: Vorweihnachtszeit

Im Egerland gab es eine Reihe von Bräuchen, die in der Bevölkerung verbreitet waren.
Folgende Feiertage spielten in der Vorweihnachtszeit im Egerland eine besondere Rolle:

Barbara (4. Dezember)
Am Barbaratag schnitten Burschen und Mädchen Kirsch- oder Weichsel- (=Sauerkirsch-) Zweige und stellten sie zu Hause in der Nähe des Küchenofens in ein mit Wasser gefülltes Gefäß. So sollten sie bald grünen, bzw. in der Zeit bis Weihnachten ihre Blüten austreiben.
Diese Zweige waren dann ein schöner Schmuck.
Eine Verwendung war es, sie am Stefanstag (26. Dezember) und Neujahrstag zum „Peitschen“ zu benutzen (zu diesem Brauch mehr in einem späteren Beitrag).
Die Barbarazweige konnten auch helfen, in die Zukunft zu sehen: hatte ein heiratslustiges Mädchen sie in der Nacht und ohne eine ein Wort zu sprechen, heimgeholt und war dabei von niemandem angesprochen worden, so konnte sie die Zweige mit Namensschildern ihrer Verehrer versehen und darauf warten, welcher Zweig als erster grünt. Dieses Orakel sollte ihr somit verraten, welcher ihr Zukünftiger sein wird.

Nikolaus (6. Dezember)
Auch im Egerland war an diesem Tag der Nikolaus als Gabenspender unterwegs.
Sein Begleiter war im Egerland der „Krampus“, ein in Sackleinen gehüllter furchterregender Geselle, mit düsterem Gesicht und schrecklich mit seiner Kette rasselnd.
In anderen Regionen des Egerlandes war es der „Zempa“, ein Poltergeist mit langen Hörnern, furchteinflößender Kostümierung und heraushängender roter Zunge.
Der Nikolaus selbst trat in prunkvollem Bischofsornat auf. Gelegentlich konnte er offenbar auch in einem Bärenfell daherkommen, oder er trug statt der Mitra nur eine zerzauste Pelzmütze auf dem Kopf.

Mariä Empfängnis (8. Dezember)
An diesem Tag wurde die Empfängnis der Maria durch ihre Mutter Anna gefeiert.
Der 8. Dezember war im Egerland ein Ehrentag der Frau. Sie durfte an diesem Feiertag nicht arbeiten oder nähen, insbesondere mit keinem spitzen Gegenstand hantieren. Andernfalls könnte die „Weiße Frau“ erscheinen, und sie so lange erschrecken, bis sie mit der Arbeit aufhörte.

Lucia (13. Dezember)
Dieser Tag ist eigentlich der Gedenktag an die Heilige Lucia, einer Märtyrerin.
Im Egerland wurde dieser Tag offenbar als unterstützende Maßnahme bei der Kindererziehung genutzt: schon Tage vorher, insbesondere wenn Kinder unartig waren, wurde ihnen gedroht, dass an diesem Tag die „Lucia“ kommen würde, ihnen dann den Bauch aufschlitzen, dort glühende Ziegelsteine hineinlegen und dann den Bauch wieder zunähen würde, bevor sie wieder verschwände.

Thomas (21. Dezember)
Der Thomastag erinnert an den Apostel Thomas. Die Thomasnacht galt im Egerland als eine sog. „Losnacht“, die es nach dem Volksglauben ermöglichte, einen Blick in die Zukunft zu tun. Am 21. Dezember ist der Tag am kürzesten und die Nacht am längsten; es ist die Wintersonnenwende.
Ein Mädchen im Egerland, das wissen wollte, wer ihr zukünftiger Herzallerliebster sei, sollte dies erfahren können, wenn sie in der Thomasnacht gegen ihre Bettstatt trat und sich dabei an den Heiligen Thomas mit folgendem Gedicht wandte:
„Heilicha Thomas, ich bitt di(ch,
Bettstood ich tritt di(ch;
Herzallerliebster mein,
leg dich zu mir herein!“

Einer Sage nach soll in der Thomasnacht im Egerland Frau Holle umgegangen sein und gemeinsam mit ihren meist missgestalteten Begleiterinnen Frauen und Mägde mit Ruten gezüchtigt haben, wenn sie sie beim Spinnen antraf.

Literatur / Quellen:
Buch:
Eger und das Egerland – Volkskunst und Brauchtum, Hrsg. L. Schreiner, Verlag Langen Müller, ISBN: 3-7844-2178-4