Egerland

Land, Leute und Kultur


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Weihnåchtn (Gedicht von Josef Urban)

Weihnåchtn

Stöllts wieda-r af an Zuckabam
in Stubm u Stüwlan, nu(ch sua kloa(n,
dass jedas aa dean söißn Tra(u)m
van Christkind wieda traama koa(n. 

Hängts droa(n aa recht vül Zuckazeigh,
af d Spitz a goldas Engarl möißt
u Kiarzla solln af jedan Zweigh
a Englhåua, wos schäi(n glöißt. 

Drahts s Stubmlöicht o(b, zünds d Kiarzla-r oa(n,
vagessts, wos druckt u wo(s)‘ts scho(n gli(tt)n,
måchts d Herzn weit af, gråuß u kloa(n
füar d Weihnåchtsfreid, füarn Weihnåchtsfrie(d)n. 

Josef Urban (da „Geigha“-Pepp)
(* 09.05.1891 Sandau [zwischen Eger und Marienbad], † 14.01.1961 Limburg / Lahn)

Quelle:
Puppm – Egerländer Mundartgedichte
von Josef Urban


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As Bacherl (Gedicht von Silvia Glaßl)

As Bacherl

Dåu untn im Tool
is as Bacherl
aas sein Winta(r)schlaåuf 
aafgwåcht.
Ös reckt si(ch)
u streckt si(ch)
daa(ß) d‘ Eisdeckn kråcht.

Oan sein Bett dåu
blöiha Schnäiglöckla
u aa d‘ Pålmkatzla
spitzn scho
iahra Köpfla assa.

U duart drüwan
aaf dean Oost
sitzt in da warma Sunn
a Stoarl
u pfeift sa(n) Liedl:
Wach aaf, Bacherl,
wach aaf!
Da Fröihling is dåu!

Silvia Glaßl, Bubenreuth

(Aus Graslitzer Nachrichten, 4/2015 Nr. 507, S. 32)


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Gedicht: Låch u spring u sing! (Josef Hofmann)

LÅCH U SPRING U SING!

A Mensch, der wos zfrie(d)n is u aa-r a weng denkt,
der gfreut sich, wenns schäi(n is, u gfreut sich, wenns rengt,
der gfreut sich in Frie(d)nszeit u gfreut sich in Striet
u aa ba da Årwat, ban Saan u ban Schniet.

Wos soll ma neat lusti sa(n? D’ Welt is sua schäi(n!
Da Wold u d’ Wies låchn uns oa(n mit sein Gräin
u ‘s Bacherl springt lusti, ‘s låcht ‘s Vüagherl am Zweigh,
Da Feuafålk gfreut sich u ‘s Fischerl in Teich.

Kurz, ålls guchzt u låcht, wo ‘s near gi(b)t af da Ear(d)n
u d‘ Sunn låcht van Himml u gröißt as da Fern.
Wer kannt an dåu woina u traamhappat sa(n?
Is ålls in helln Jubel, sa låchst hålt du aa!

U gäiht neat ålls gout o(b u glückli, wöist’s denkst,
sa is dös balei(b nuch koa(n Grund, dass d‘ dich kränkst.
Af ‘s Weda kinnt d‘ Sunn u af ‘s Unglück a Freud.
Wer gscheit is, der gfreut sich af d’ kummada Zeit.

A gsunds u hells Låchn håut näi wos vadurbm,
van Låchn, ma(n Löiwa is näimads nuch gsturbm
u kinnt zletzt da Tåud u sågt: „Måch öitza Schicht!“,
sa tou nuch an Guchza u låch ’n ins Gsicht.

Josef Hofmann
(*19.03.1858 in Karlsbad, † 21.06.1943 in Karlsbad)

Quelle:
Egerland mein Heimatland, Josef Hofmanns Art und Erbe
Herausgegeben von Otto Zerlik.

[schäi(n = schön, rengt = regnet, Årwat = Arbeit, Saan = Säen, Schniet = Schnitt (Getreideernte), Gräin = Grün, Vüagherl = Vöglein, traamhappat = verträumt, guchzn = juchzen, Löiwa = Lieber, Guchza = Juchzer]

Internet:
Josef Hofmann (Wikipedia)

 

 

Egerland.wordpress.com_Eger_Taubenschwanz_Bluete


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Gedicht: Pfingsten (Otto Zerlik)

Pfingsten (Otto Zerlik)

Oa(n jedern Eck, oa(n jedern End,
blöiht hellaf, wos no blöiha koa(n.
Sua månchers Kinnerl håut sei(n Händ
voll Bläimla, wos daschleppm koa(n.
Es stolpert låchat månchern Schriet;
sei(n Äugla blöihn grod schöia mit. 

In jedra Stau(d)n, in jedan Baam
is Lebm, åls wa(r a Håuchzatstogh,
am Stodlfirst, am Gartnzaam,
am Giewlsims, in Taubmschlogh.
Du toust koin unbesungna Schriet,
låu(ß d’Surgn dahoim, sing mit, sing mit. 

Låch mit! Zan Gåmmern is koa(n Zeit.
Dös Blöiha håut da Herrgott bstöllt.
Gi(b åcht, dass niat va latta Freud,
a Kinnerl diar za Föißn föllt. 

U sing! U singst aa no gånz stüll;
an jedan gült dös Glück, döi Freud!
Dös is, wos in da Fröihlingszeit
da Herrgott jedern schenkn wüll. 

Otto Zerlik
(*4. Jänner 1907 in Uittwa bei Tepl, † 24. April 1989 in Geislingen an der Steige)

[Håuchzatstogh = Hochzeitstag, Stodlfirst = Scheunendach (obere Kante, Dachfirst),  Gartnzaam = Gartenzaun, Giewlsims = Sims im Bereich des Dachgiebels, Taubmschlogh = Taubenschlag, Gåmmern = Jammern, Föiß = Füße]

Quelle:
Das Egerland erzählt. Helmut Preußler Verlag, Nürnberg


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Wir Egha(r)lander

Wir Egha(r)lander 

Dös is dös, wos uns ållawal                                                       stets
am Dåmm und gsund håut g‘håltn:
mir san in Fleiß und Spårsåmkeit
genau wöi un(s)ara Åltn,                                                            Vorfahren
håbm Bäuma gföllt und Fölsn gsprengt,
`s Wåssa in’s rechta Rinnl zwängt,                                            geleitet
håbm schwa(r sich plåugt und gschundn
und’s Schwürsta üwa(r)wundn.

Die gånz Woch growat, gfischt und gjågt,                                 gerobotet
in Summa und in Winta,
Wöi Gieft håut uns da Büttl g’håßt,
der ålta Bauernschinda!
Sua månchra håut nan’s hoimlich gschwurn.
Sie san niat woach und wenga wur(d)n.                                    sie haben sich nicht gebeugt
Da Burgherr is vergånga, –
es kraht nåuch ih(n koa(n Håhna! –

A Spåtz, der bringt sechs Spåtzn as, –                                      ein Sperling
a Baua, niat sechs Bauern.
Es is niat un(s)a Årt und Weis,
am Be(tt)lkreuza z lauern.
Håbm mei(n Togh garwat, gspårt und baut,                            stets
af Gott und un(s)a Kråft vertraut;
håbm zimmert, gråbt und gmauert
und’s Ürgsta üwa(r)dauert.                                                          das Schwerste

Sua wår’s, sua is’s, sua wird’s aa bleibm!
Dös låu(ß)n mir uns niat nehma,
daß mir da Naot, da Zwidakeit                                                  dem Widerwillen
rechtschåffn widastehnga.
Drüm wissen mir aa hali-gwiß,                                                   ganz gewiss
daß z’letzt da Herrgott mit uns is
und daß nåuch Naot und Greina                                                Weinen
uns d Sunn und d Sternla scheina!

Otto Zerlik
(*4. Jänner 1907 in Uittwa, † 24. April 1989 in Geislingen an der Steige)

Quelle:
Egerland Landschaft und Menschen in der Dichtung, Verlag Langen Müller, ISBN: 3-7844-2013-3

Internet:
Oberpfälzer Kulturbund: Otto Zerlik
Kulturportal West-Ost: Otto Zerlik

Palitz (Palic) Kirche Kirchturm


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Koan Glöckerl klingt

Kürzlich stieß ich auf ein schönes egerländrisches Gedicht, das mich so sehr an die Bilder aus Palitz denken ließ, die ich in meinem letzten Beitrag gezeigt habe.

Koa(n Glöckerl klingt

Du gäihst durch’s Lånd
durch Föld und Wies
und spürst, dass ålls dåu ån(d)arscht is.

Da Wold is gräi(n,
aa’s Lercherl singt,-
owa(r in dir koa(n Glöckerl klingt.

D’Leut ria(d)n sua vül
in ihra Språuch;
aa‘s Greina steigt dir dåu hoch.

Und’s Herz is krånk,
groaß is sa(n Naot,
wal ma uns d‘Hoimat gnumma håut.

[Greina = Weinen]

Heike Huber (*1926 in Schönbach bei Eger)

Quelle:
Egerland – Landschaft und Menschen in der Dichtung. Hrsg.: Josef Suchy, Alfred Görgl, Otto Zerlitz. Verlag Langen Müller, 1984. ISBN: 3-7844-2013-3


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Der Ackermann aus Böhmen (Johannes von Tepl)

Johannes von Tepl wurde zwischen 1342 und 1350 geboren, vermutlich in Tepl oder auch in Schüttwa (Sitbor), woher auf jeden Fall sein Vater stammte. Ob er in Tepl die Schule besucht hat oder dort arbeitete ist offenbar nicht geklärt.  Er studierte in Prag und anderen Universitäten. Er schrieb in Deutsch, Latein und Tschechisch. 1383 wurde er Notar, ab 1386 Leiter der Lateinschule in Saaz. Ab 1411 lebt er als Stadtschreiber in Prag, wo er 1415 starb.
Seine Frau Margareta war am 1. August 1400 im Kindbett verstorben.
Danach, vermutlich 1401 verfasste Johannes von Tepl sein bedeutendes Werk: Der Ackermann aus Böhmen (Ploughman of Bohemia).
Dies ist eines der ersten Werke, die überhaupt in deutscher Sprache gedruckt wurden (ca. 1460) und es gilt als eines der bedeutendsten Werke der böhmischen Frührenaissance und der spätmittelalterlichen deutschen Literatur, andere sahen es als frühen Vorläufer des Humanismus.

Der Ackermann aus Böhmen (Ploughman of Bohemia) besteht aus 34 kurzen Kapiteln. Es ist ein Streitgespräch zwischen dem Ackermann und dem Tod. Dabei ist der Ackermann kein gewöhnlicher Bauer, er schreibt von sich selbst (3. Kapitel): „Ich bins genant ein ackerman, von vogelwat ist mein pflug, vnd wone in Behemer lande“ – sein Werkzeug ist also die Vogelfeder, ergo die Feder mit der damals geschrieben wurde.
In den ungeraden Kapiteln beklagt sich der Ackermann beim Tod, dass er ihm seine junge, geliebte Frau geraubt habe. In den geraden Kapiteln antwortet der Tod mit Logik und Zynismus auf die Emotionen des Ackermanns. Der Tod ist von der Sinnhaftigkeit seines Tuns überzeugt, welches ihm von Gott aufgetragen wurde. Dem Zorn des Ackermanns begegnet er mit Arroganz, mit Überlegenheit und mit Zynismus. Die Argumentation des Todes zielt nicht auf einen moralischen oder theologischen Hintergrund wie Buße oder Sünde ab, sondern wirkt quasi neuzeitlich logisch.
Am Ende, im 33. Kapitel, spricht Gott das Urteil, indem er den Menschen an seine Sterblichkeit erinnert und den Tod daran, dass der seine Macht wiederum nur von Gott empfangen hat. Im letzten Kapitel endet das Werk mit einem umfangreichen Fürbittgebet.

Internet:
http://gutenberg.spiegel.de/buch/4255/1
http://www.hs-augsburg.de/~harsch/germanica/Chronologie/15Jh/Tepl/tep_tod.html
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/cpg76
http://www.brg9.at/A-Klasse/5%20A%20Klasse/Literatur/Der%20Ackermann.pdf
http://radiergummi.wordpress.com/2010/07/27/johannes-von-tepl-ackermann/
http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Ackermann_aus_B%C3%B6hmen
Zum Zuhören: http://vortraege.beitinger.de/mp3/ackermann-mp3.php
Johannes von Tepl: http://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_von_Tepl