Egerland

Land, Leute und Kultur

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Bräuche im Egerland: Dreikönigstag 6. Januar

Bis zum Jahr 1690 war in großen Teilen Europas der Jahreswechsel am 6. Januar. Ab dem Jahr 1691 verlegte Papst Innozenz Xll. den Neujahrstag auf den 1. Januar. Dies galt natürlich auch für das Egerland – und es erklärt, weshalb sich hier einige Bräuche, die ansonsten auch für Neujahr gelten, am 6. Januar erhalten haben. Daher hieß der 6. Januar, in manchen Regionen des Egerlandes auch „s‘ Håuch nei Gåu(h)a“, das „hohe Neujahr“

In früherer Zeit traten auch am Dreikönigstag die Gellerer auf, wie sie bereits für den Jahreswechsel im Egerland beschrieben wurden. Bereits in vorchristlicher, germanischer Zeit gab es den Brauch, dass der Hausherr zum Jahreswechsel mit einer Räucherpfanne durch sein Anwesen ging, dabei Zauberformeln aufsagte und Heilzeichen zur Abwehr von Dämonen anbrachte. Dieser Brauch war noch im Mittelalter in Deutschland weit verbreitet. Weihrauch am Dreikönigstag und das Anbringen von Kreuzen und der Segensformel „C M B“ (Christus Mansionem Benedicat = Christus segnet dieses Haus) mit geweihter Kreide am Hauseingang, werden in Zusammenhang damit gesehen.

Auch im Egerland zogen die Sternsinger zur Erinnerung an die Heiligen Drei Könige von Haus zu Haus. Ein altes weißes Männerhemd konnte dabei als Soutane dienen, eine weiße Tüte die edle Kopfbedeckung ersetzen. Einer hatte ein rußgeschwärztes Gesicht und einer hielt einen Stab mit einem Stern darauf, der sich während des Vortrags mittels einer einfachen Rolle in Drehbewegungen versetzen ließ.

„Die heilinga drei Könich mit ihrem Stern,
Sie kommen zu enk aus weiter Fern,
Und suchen das neugeborene Kind,
Der Stern am Himmel hat’s verkündt.
Der Kåspa kommt aus dem Inderland,
Der Melcha haust im Wüstensand,
Der Bålza ist noch viel weiter her,
Saa(n‘ Land liegt an dem großen Meer.
Wir sind seit langem schon auf den Füßen,
Und wollen den neuen Heiland grüßen.
Er bringt enk Gottes Segen ins Haus,
Wir betn uns eine Gabe aus.“
[betn = bitten]

Eine andere Fassung aus der Wildsteiner Gegend:

„Die halninga drei Könich mit ihran Stern,
Sie lobm heint Gott und preisn den Herrn!
Mir zogen wohl über den Berg hinaus,
Herodes schaut zum Fenster heraus.
Herodes sprach mit trotzigem Sinn,
Wo wollen die halinga drei Weisen hin?

Nach Bethlehem steht unser Sinn!

Dirt’s halinga drei Manna bleibts af d’Nåcht ba mir,
Ich will enk geben Wein und Bier.
Ich will enk geben Stroh und Heu,
Ich will enk halten zehrungsfrei.

Mir zogen über den Berg hinaus,
Der Stern stand fest über einem Haus.
Mit gänga in dees Haus hinein,
Uu finna as Kinnerl im Krippelein.
Mir fålln glei(ch nieda auf unsre Knie,
Und bringa dem Kind unsere Opfer hi(n‘:
Weihrauch, Myrrthn und rotes Gold,
Das dem Kind gehören sollt.“

Dann sprach der „Mohr“:

„Ich bin der Schwarze, der Mohr genannt,
Ich trag die Schüssel auf meiner Hand;
Drum gebt mir was in die Schüssel hinein,
Damit ich kann zufrieden sein!“ 

Und abschließend alle drei gemeinsam:

„Habt Dank, habt Dank, für eure Ga(b)m,
Die wir von euch empfangen ha(b)m!
Habt Dank, habt Dank, habt Dank!“

Im Anschluss wurde die bekannte Formel an Türen und Toren des Wohngebäudes mit Kreide angebracht, manchmal auch an den Stallgebäuden oder auch am Taubenhaus. Die Kreide war am Tage im Rahmen der „Wasserweihe“ geheiligt worden, bei der zudem auch in manchen Teilen Salz, Zwiebeln und Knoblauch geweiht worden waren. Die geweihten Zwiebeln bzw. der geweihte Knoblauch wurden in der Nähe der Tür aufgehängt, damit sie böse Geister am Eintreten hinderten. Hingen die geweihten Zwiebeln oder der Knoblauch beim Ofen, so boten sie Schutz gegen Zauberei und Verhexung und zogen Krankheiten auf sich.

Geweihtes Salz und geweihtes Wasser vom Dreikönigstag halfen Hexen fernzuhalten, z.B. indem sie beim Buttern mit ins Butterfass gegeben wurden, zudem unterstützten sie die Haltbarkeit, da diesem Wasser nachgesagt wurde, dass es sich sieben Jahre oder länger halten sollte, ohne schlecht zu werden. Außerdem dienten sie als Zusätze bei der Nahrung, z.B. bei Tieren im „Trånka“ oder im „G‘leck“ (vgl. Bräuche im Egerland: Heiligabend) und bei Menschen sollten sie Fieber und Halsschmerzen heilen.

Auch in den Wohnstuben gab es Weihwasser, mit dem man sich benetzen konnte, an der Wand in einer besonderen Schale aus Porzellan oder Zinn.

Haustiere wurden bei Verkäufen oder bei Käufen mit Weihwasser besprengt, insbesondere, wenn sie das erste Mal auf den Hof kamen.

Am Dreikönigstag besprengte der Bauer den Hof und die Gebäudeteile mit dem frisch geweihten Weihwasser, später auch die Felder.

Am Abend des Dreikönigtags tranken die Egerländer gemeinsam im Wirtshaus „d‘ Störk“, also auf die „Stärke“ – für das kommende Arbeitsjahr.

Literatur
Buch:
Eger und das Egerland – Volkskunst und Brauchtum, Hrsg. L. Schreiner, Verlag Langen Müller, ISBN: 3-7844-2178-4

https://egerland.wordpress.com/2013/12/05/brauche-im-egerland-vorweihnachtszeit/


Ein Kommentar

Bräuche im Egerland: Silvester und Neujahr – „Ich wünsch Enk a glücksöllich’s nei’s Gåu(h)a!“

Am 31. Dezember, an Silvester gab es auch im Egerland diverse Bräuche, die als Orakel helfen sollten, in die Zukunft zu sehen. Nach dem Abendessen wurde z.B. das heute noch weit verbreitete Bleigießen durchgeführt. Beim „Knödelkochen“ wurden in die rohen Knödel Zettel mit Sprüchen, Wünschen oder Namen hineingetan, und beim Kochen kam es dann darauf an, welcher dieser Knödel zuerst an die Oberfläche kam. Beim Pantoffel- oder Schuhwerfen wurde ein Schuh über die Schulter nach hinten geworfen, zeigte die Spitze Richtung Tür, so wurde dies als gutes Zeichen gewertet.
Männer verbrachten die letzten Stunden des Jahres gerne in einer Gastwirtschaft in Gesellschaft. Um Mitternacht gab es vom Wirt ein Glas Grog oder Punsch auf Kosten des Hauses.

Der 1. Januar, der Neujahrstag wurde als Vorausschau auf das kommende Jahr gewertet.
Im Egerland hieß es:
“Wöi’s nei Gåu(h)a – sua-r-as gånz Gåu(h)a!”
[Wie das neue Jahr, so das ganze Jahr]
Was man an diesem Tag tat, das würde man auch das ganze weitere Jahr hindurch tun. Insofern war es besser, z.B. am Neujahrstag früh aufzustehen, sich korrekt zu kleiden, nichts zu kaufen oder zu verkaufen, nicht zu faulenzen oder zu stürzen und sich zu verletzen.

Früh am Morgen des 1. Januar gab es auch wieder das „Peitschen“, nur diesmal umgekehrt, wie am 1. Weihnachtsfeiertag: an Neujahr waren es die Mädchen, die nun die Burschen peitschten mit den ergrünten Barbarazweigen. Und es waren die gleichen Sprüche, die sie dazu aufsagten.

Im Laufe des Vormittags wünschten sich die Nachbarn, Verwandten und Bekannten „a glücksöllich’s neu’s Gåu(h)a“, oft mit dem Zusatz „uu a lång’s Lee(b’m danee(b’m“.
Bei Frauen gab es den Zusatz „uu an gout’n Moa(n‘ danee(b’m“.
Der Ehemann wünschte seiner Ehefrau „saa(n‘ gånza Löi(b danee(b’m“.

Es gab auch längere Neujahrssprüche:
„Wünsch a glücksöllich’s neu’s Gåu(h)a,
a-n-ålt’s Tüa(r’l uu a neu’s Tåua,
an Stool vulla Hörna,
an Buad’n vulla Körna,
an Beit’l vulla Göld,
dass-n ua(b’m wieada assaföölt!”
[Tåua = Tor, Stool = Stall, Buad’n = Getreideboden, ua(b’m = oben]

Ein allgemein üblicher Wunsch zum Neuen Jahr war:
„Ich wünsch a glücksöllich’s nei’s Gåu(h)a, wot’s enk wünscht’s wird wåu(h)a!“
[Ich wünsche ein glückseliges neues Jahr, was ihr euch wünscht, möge wahr werden!]

Waren die Neujahrsglückwünsche überall vorgebracht, insbesondere auch bei seinem Paten, wofür man oft ein Geldgeschenk erhielt, hatte man „s nei Gåu(h)a oogwunna“ [gewonnen]. Dann gings ins Wirthaus, „af’s nei Blout gäih(n“, also sich dort mit Wein oder Bier „frisches Blut“ anzutrinken.

Gegen Geldmangel im neuen Jahr sollte es helfen, etwas Hirsebrei zu essen, oder ein paar Löffel einer anderen Quellfrucht, wie z.B. Erbsen oder Bohnen.

Am Abend trank man dann wieder im Wirtshaus „die Schäi(hn“, also auf die (eigene) Schönheit.

In den Abendstunden zogen im Egerland ältere Frauen meist paarweise von Haus zu Haus, um mit dem Singen besonderer Neujahrslieder den Bewohnern Gutes zu tun und zu wünschen. Dafür bekamen die Sängerinnen Semmel und Brot, aber auch andere Gaben und Geldgeschenke, wofür sie sich üblicherweise mit einem doppelten „Vergelt’s Gott“ bedankten.

In der Gegend um Falkenau zogen noch bis zur Vertreibung der Egerländer jeweils am Neujahrstag die „Göllerlsinger“, oder auch „Gellerer“ oder „Gellerersänger“ von Haus zu Haus. Das Wort „gellen“ bedeutet „hell und durchdringend schallen“ und stammte vom mittelhochdeutschen „gellen“ bzw. althochdeutschen „gellan“ ab, was „laut rufen oder schreien“ bedeutete. Die Göllerlsinger machten mit großen Kuhglocken, Blechtöpfen und schweren Eisenketten großen Lärm.
Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts war auch im Stadtkreis Eger das „Gollengehen“ üblich gewesen, wobei die Stadtjugend ordentlich Lärm schlug. Gegen dessen Auswüchse wurden wiederholt Verbote vom Rat der Stadt ausgesprochen. Dieser ließ als Alternative zwei Stadttrompeter von Haus zu Haus gehen, damit diese dort das neue Jahr „anblasen“. Dies taten sie auch vom Schwarzen Turm der Kaiserpfalz. Zusätzlich waren Stadtpfeifer in Uniform unterwegs, die vor den Hauseingängen ihre schwarzen Hüte schwangen mit der Frage „dürfen wir unsere Schuldigkeit tun?“ Wenn sie eingelassen wurden, spielten sie in der Wohnstube, oft nach einem sehr lauten Trommelwirbel, ihre Neujahrsmelodien.

In den Rockenstuben, in denen in früheren Zeiten das Garn gesponnen wurde, feierte man den Neujahrstag besonders, mit „Rockaböia“ [Böia = Bier], mit Musik und Tanz.

Der Neujahrstag galt im Egerland für das Wetter des kommenden Jahres als richtungsweisend:
„Neujahr hell und klar – bringt gutes Jahr!“

Literatur
Buch:
Eger und das Egerland – Volkskunst und Brauchtum, Hrsg. L. Schreiner, Verlag Langen Müller, ISBN: 3-7844-2178-4