Egerland

Land, Leute und Kultur

Hackenhäuser Hutschen-Nachmittag – Bericht aus dem Marienbad-Tepler Heimatbrief vom Juni 2015

Ein Kommentar

Die Egerländer pflegen heutzutage ihre Gemeinschaft auch in verschiedenen Organisationsformen.
Einerseits gibt es die Egerländer Gmoin (Egerländrisch „Gmoi“ = Gemeinde), in denen sich Egerländer gewissermaßen weltweit in Orten, an denen sie aus verschiedenen Gründen außerhalb des Egerlandes lebten, zusammentaten und ihre Gemeinsamkeit, ihre Bräuche und Kultur pflegten. Solche Vereinigungen, anfangs auch oft „Landtag“ genannt, gab es seit ca. 1860 und gibt es bis heute, zumeist in deutschen und österreichischen Städten. Über diese Egerländer Gmoin werde ich noch gesondert berichten.
Zusätzlich finden bis heute Treffen von Bewohnern und deren Nachkommen aus den verschiedenen Ortschaften des Egerlandes statt. Hier tauschen die ehemaligen Bewohner einer Ortschaft ihre Erinnerungen aus, berichten sich Neues, pflegen ihre Kultur und auch Kinder und Kindeskinder haben hier die Möglichkeit vieles über ihre Wurzeln zu erfahren. Heimatbriefe der Egerländer berichten monatlich oder mehrfach jährlich über Früheres und Neues aus der alten Heimat und halten so die Verbindung aufrecht.

Ein solches Treffen der Ortsgemeinschaft Hackenhäuser fand im Juni 2015 in Hessen statt, in einem Ort in dem eine große Zahl von Bewohnern aus Hackenhäuser nach der Vertreibung „landete“. Hackenhäuser (heute: Sekerske Chalupy) ist ein kleiner Ort bei Bad Königswart, in der Nähe von Marienbad.
Der Bericht erschien im „Marienbad-Tepler Heimatbrief“.
Er beschreibt die nach wie vor große Lebensfreude der Egerländer und stellt auch Bezüge zur Gegenwart her, die ganz sicher viele Egerländer Gmoin und Ortsgemeinschaften betrifft.
Daher habe ich diesen Bericht hierher übernommen:

Hackenhäuser Hutzen-Nachmittoch am 13.06.15

Am Samstag, den 13. Juni 2015 war es endlich wieder soweit: Josef Siart, der Vüarstäiha der Arbeitsgemeinschaft Hackenhäuser hatte gemeinsam mit seinem Stellvertreter Horst Kaiser zum jährlichen Treffen der Ortsgemeinschaft von Hackenhäuser mit ihren Angehörigen und Nachkommen nach Rodheim vor der Höhe (Hessen) eingeladen und alles wieder sehr gut organisiert.

Um 14 Uhr fand das traditionelle Totengedenken am großen Kreuz auf dem Friedhof statt. Nach der Ansprache von Josef Siart und der Platzierung einer würdigen Blumenschale durch Horst Kaiser gedachten die Anwesenden mit Gebeten der Verstorbenen aus Hackenhäuser.

Danach ging es ins Bürgerhaus zum Hackenhäuser „Hutzen-Nachmittoch“.
Dort warteten bereits wohlschmeckende Kuchen, die mehrere aktive Teilnehmerinnen dankenswerterweise gebacken und mitgebracht hatten. Josef Siart begrüßte die Anwesenden und hatte auch verschiedene informative Unterlagen dabei, wie z.B. große Kopien einer Luftaufnahme von Hackenhäuser, in die er die damaligen Wege bzw. Trampelpfade eingezeichnet hatte. Otmar Böhm animierte auch in diesem Jahr mit den wunderbaren Klängen seiner Ziehharmonika und als klangvolles Duo mit Helmut Böhm bzw. im Trio mit Mechthild Böhm ca. 25 Stimmen zum Mitsingen und so erklang der Raum immer wieder mit bekannten Liedern aus dem Egerland. Ganz spontan sang mehrfach Kurt Kraus aus Tannaweg mit und ohne Begleitung der Ziehharmonika von Otmar Böhm lustige Lieder in der Egerländer Mundart, so anständig (oder auch weniger), wie sie eben üblich waren. Auch heuer sorgten sie für viel Vergnügen!
Natürlich gab es auch untereinander viel zu erzählen und auszutauschen: altes und neues aus Hackenhäuser, viele Erinnerungen, Beurteilungen aus heutiger Sicht und: wer weiß Neues aus der alten Heimat?
So bot der Hackenhäuser „Hutzen-Nachmittoch“ wieder eine Menge Spaß und interessante Anregungen, die Zeit verging auch diesmal wieder viel zu schnell.

Zusätzlich ergaben sich einzelne Gespräche, wie die Egerländer Kultur auch bei den Nachgeborenen wieder mehr ins Bewusstsein gerufen werden kann. Ein Umstand, der sicher viele Egerländer Gmoin und Arbeitsgemeinschaften beschäftigt.
Neue Medien, insbesondere das Internet, spielen hier eine zunehmend wichtige Rolle und sollten entsprechend genutzt werden. Auch die verstärkte Sichtbarmachung der Egerländer Kultur in verschiedenen Bereichen, mit entsprechenden Symbolen, Volkskunst, Pflege des Brauchtums, aber auch einfach Gespräche über das Egerland, seine Kultur und alles was dazu gehört sind von großer Bedeutung. Hierzu sind alle aufgerufen, Ältere und Jüngere – jede/-r Einzelne und auch in den Organisationen der Egerländer!
Sprechen Sie mit Angehörigen und Freunden!

Kommen Sie zum nächsten Treffen der Ortsgemeinschaft Hackenhäuser!

Auch alle Angehörigen, Kinder, Enkelkinder und alle Freunde und Interessierten sind selbstverständlich herzlich willkommen!

Kontakt: Vüarstäiha Josef Siart, […] 

Håckahaisara hålts Enk zsåmm!

[Kontakt zum Vüarstäiha der Ortsgemeinschaft Hackenhäuser oder auch zum Autor dieses Berichts gerne über Egerland.wordpress.com]

 

Anmerkungen:
Hutzen bzw. Hutschen gehen ist eine alte Tradition im Egerland, wobei sich die Bewohner eines Ortes abwechselnd in verschiedenen Wohnungen bzw. Stuben trafen, dort zusammen redeten, sangen, Handarbeiten machten, aßen, tranken, tanzten usw.
Vüarstäiha ist bei den Egerländern der Vorsitzende einer Gruppe.

Hackenhaeuser_Treffen_2015_NachdemTotengedenkenaufdemFriedhof_Egerland.wordpress.com

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Hackenhaeuser_Treffen_2015_Trio_Egerland.wordpress.com

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Hackenhaeuser_Treffen_2015_KurtKraus_OtmarBoehm_Egerland.wordpress.com

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Gedicht: Frühlingsboten – Fröihling (Otto Zerlik)

Sua töifs aa gfröist, sua vüls aa schneit,
Josefi kinnt u d’Åustazeit,
wåu d‘ Ziegla lustigh springa
u d’Vüagherla va weit, weit hear,

vo Tol u Teich, va Sånd u Mear,
an Fröihling wieda bringa.

Otto Zerlik
(*4. Jänner 1907 in Uittwa bei Tepl, † 24. April 1989 in Geislingen an der Steige)

[gfröist = gefriert, Josefi = Josefstag (19. März), Åustazeit = Osterzeit, Vüagherla = Vögelchen ]

Quelle:
Das Egerland erzählt. Helmut Preußler Verlag, Nürnberg


Ein Kommentar

Der Ackermann aus Böhmen (Johannes von Tepl)

Johannes von Tepl wurde zwischen 1342 und 1350 geboren, vermutlich in Tepl oder auch in Schüttwa (Sitbor), woher auf jeden Fall sein Vater stammte. Ob er in Tepl die Schule besucht hat oder dort arbeitete ist offenbar nicht geklärt.  Er studierte in Prag und anderen Universitäten. Er schrieb in Deutsch, Latein und Tschechisch. 1383 wurde er Notar, ab 1386 Leiter der Lateinschule in Saaz. Ab 1411 lebt er als Stadtschreiber in Prag, wo er 1415 starb.
Seine Frau Margareta war am 1. August 1400 im Kindbett verstorben.
Danach, vermutlich 1401 verfasste Johannes von Tepl sein bedeutendes Werk: Der Ackermann aus Böhmen (Ploughman of Bohemia).
Dies ist eines der ersten Werke, die überhaupt in deutscher Sprache gedruckt wurden (ca. 1460) und es gilt als eines der bedeutendsten Werke der böhmischen Frührenaissance und der spätmittelalterlichen deutschen Literatur, andere sahen es als frühen Vorläufer des Humanismus.

Der Ackermann aus Böhmen (Ploughman of Bohemia) besteht aus 34 kurzen Kapiteln. Es ist ein Streitgespräch zwischen dem Ackermann und dem Tod. Dabei ist der Ackermann kein gewöhnlicher Bauer, er schreibt von sich selbst (3. Kapitel): „Ich bins genant ein ackerman, von vogelwat ist mein pflug, vnd wone in Behemer lande“ – sein Werkzeug ist also die Vogelfeder, ergo die Feder mit der damals geschrieben wurde.
In den ungeraden Kapiteln beklagt sich der Ackermann beim Tod, dass er ihm seine junge, geliebte Frau geraubt habe. In den geraden Kapiteln antwortet der Tod mit Logik und Zynismus auf die Emotionen des Ackermanns. Der Tod ist von der Sinnhaftigkeit seines Tuns überzeugt, welches ihm von Gott aufgetragen wurde. Dem Zorn des Ackermanns begegnet er mit Arroganz, mit Überlegenheit und mit Zynismus. Die Argumentation des Todes zielt nicht auf einen moralischen oder theologischen Hintergrund wie Buße oder Sünde ab, sondern wirkt quasi neuzeitlich logisch.
Am Ende, im 33. Kapitel, spricht Gott das Urteil, indem er den Menschen an seine Sterblichkeit erinnert und den Tod daran, dass der seine Macht wiederum nur von Gott empfangen hat. Im letzten Kapitel endet das Werk mit einem umfangreichen Fürbittgebet.

Internet:
http://gutenberg.spiegel.de/buch/4255/1
http://www.hs-augsburg.de/~harsch/germanica/Chronologie/15Jh/Tepl/tep_tod.html
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/cpg76
http://www.brg9.at/A-Klasse/5%20A%20Klasse/Literatur/Der%20Ackermann.pdf
http://radiergummi.wordpress.com/2010/07/27/johannes-von-tepl-ackermann/
http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Ackermann_aus_B%C3%B6hmen
Zum Zuhören: http://vortraege.beitinger.de/mp3/ackermann-mp3.php
Johannes von Tepl: http://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_von_Tepl